Wir bösen, bösen Mütter

Böse Smartphone-Eltern

Böse Smartphone-Eltern

Ich habe es wirklich versucht, aber ich kann mich aus der Diskussion um die furchtbaren Smartphone-Mütter einfach nicht raushalten. Hier in Augsburg gibt es nämlich eine Plakataktion, mit deren Hilfe den Eltern ein schlechtes Gewissen gemacht werden soll, wenn sie in ihr Smartphone gucken, obwohl die Kinder doch gerade Aufmerksamkeit, Liebe und Einfühlungsvermögen brauchen. Ich nehme mir jetzt mal die Zeit aufzuschreiben, warum mich diese Aktion des Landkreises Augsburg so stinkewütend macht.

Wie kam es zu Anti-Smartphone-Kampagne?

Brigitte Maly-Motta, Leiterin der Fachstelle Frühe Hilfen im Landratsamt Augsburg saß beim Friseur und wartete auf ihren Termin. Vor ihr war ein Kind dran, das auf dem Friseurstuhl weinte während ihm die Haare geschnitten wurden. Die Mutter des Kindes saß abseits un schaute in ihr Smartphone anstatt das Kind zu trösten. Diese Situation hat Frau Maly-Motta dazu inspiriert eine Plakataktion zu starten.

Anders ausgedrückt: Der Landkreis Augsburg hat also Geld ausgegeben für die Gestaltung und den Druck verschiedener Printprodukte in 4-stelliger Auflage, weil eine der Mitarbeiterinnen beim Friseur was beobachtet hat.

Natürlich ist es nicht nett, etwas anderes zu tun, während ein Schutzbefohlener in seelischen Nöten steckt. Keine Frage. Doch von all den Dingen, die in unserem Alltag das Leben von Kindern (negativ) beeinflussen, musste sich der Landkreis Augsburg genau das eine Thema heraussuchen, mit dem man auf die Eltern eindreschen kann.

Sorry not Sorry, ich muss hier mal eine Lanze brechen: Wir Eltern haben echt schon genug Stress am Hals. Da muss uns doch nicht auch noch die Lokalpolitik das Leben schwer machen!

Wieso nutzen Eltern Smartphones?

Es gibt ungefähr eine million (gute, berechtigte, unberechtigte, sinnlose) Gründe, um auf ein Smartphone zu gucken (oder hineinzusprechen). Ein paar tolle Gedanken dazu gab es vor einer Weile in der Huffington Post: An die Mutter, die auf dem Spielplatz in ihr iPhone starrt.

Ich möchte vor allem einen Aspekt beleuchten, warum Eltern an ihrem Handy hängen: Der Alltag ist ohne kaum noch zu bewältigen. Vom Kinderarzt über den Babysitter bis hin zu den 8 Kindergärten, in denen wir eine Anmeldung laufen haben, erwarten alle, dass wir erreichbar sind. Meinen eigenen, erwachsenen Freunden kann ich verklickern, dass ich erst am Abend auf ihre Nachrichten antworte. Den Kindergartenplatz für mein Kind setze ich nicht dadurch aufs Spiel, dass ich nicht für Rückfragen zur Anmeldung erreichbar bin.

Das sind natürlich nur exemplarische Beispiele. Was ich sagen will ist, dass wir allein gelassen sind. Wir haben keine Oma nebenan, die uns sagt, welche Hausmittel bei Fieber und Schnupfen helfen, wir müssen selbst danach googlen. Wir treffen unsere Nachbarinnen und ihre Kinder nicht mehr auf dem Hof beim Wäscheaufängen, wir müssen uns verabreden. Wir kaufen unseren Kindern nicht einfach irgendwelchen Rotz zum Geburtstag, wir suchen nach pädagogisch wertvollen Spielsachen und lesen Testberichte.

Ihr erwartet von uns, dass wir für einen Job die Stadt wechseln (uns aber trotzdem ohne Familie nebenan um unsere Kinder kümmern). Ihr erwartet von uns, dass wir unsere Kinder zu guten Mitgliedern der Gesellschaft erziehen und ihnen soziale Kompetenz vermitteln (schränkt aber gleichzeitig den öffentlichen Raum zum spielen immer weiter ein). Ihr erwartet von uns, dass wir für unsere Kinder kaufen, kaufen, kaufen und dem großen Gott Kapitalismus huldigen (produziert aber gleichzeitig gesundheitsschädliches Plastikspielzeug im Ausland).

Wie in aller Welt sollen wir uns denn verhalten? Wären wir nicht ziemlich dämliche Eltern, wenn wir nicht die uns zur Verfügung stehende Technik nutzen, um uns und unsere Familien zu organisieren?

Dazu kommt, dass es dieses furchtbare gesellschaftliche Ideal gibt, dass es für eine Mutter bitteschön ganz wunderbar sein soll, sich jahrelang den ganzen Tag ausschließlich um ihre Kinder zu kümmern. Dieses Ideal führt zu einer zunehmenden Isolierung (die ich an anderer Stelle noch mal ausführlich behandeln werde). Aus dieser räumlichen Isoliation ist die virtuelle Gemeinschaft ein Ausweg. Sehr schön auf den Punkt gebracht hat das die Autorin und Kleinkindpädagogin Susanne Mierau mit ihrem Begriff des Online-Elernclans.

Welche Kampagnen wären stattdessen wesentlich sinnvoller?

Was mich besonders an den Augsburger Plakaten nervt ist, dass sie ganz gezielt auf das schlechte Gewissen der Eltern abzielen. Ich persönlich finde es völlig unangebracht von einer Behörde, die sich auf das Kindeswohl spezialisiert hat, den Druck auf Eltern weiter zu erhöhen.

Dazu kommt, dass hier die Zielgruppe im Stil von Autobahn-Plakaten angesprochen wird. Doch im Gegensatz zu „Bitte nicht Rasen!“ oder „Anschnallen rettet Leben!“ ist „Benutze Dein Smartphone nicht in Gegenwart Deines Kindes!“ eben keine absolute Wahrheit. Man kann so ein komplexes Thema wie Familienalltag nicht auf eine einzige Handlungsempfehlung zusammenschrumpfen. Das ist aus meiner Sicht purer Hohn.

Natürlich ist die oben beschriebene Situation im Friseursalon nicht schön. Aber genauso unschön ist es, wenn Autofahrer den abgesenkten Bordstein zuparken und man mit dem Kinderwagen (oder dem Rollstuhl, oder dem Rollator, oder dem Postfahrrad) Probleme hat, die Straße zu überqueren.

Mindestens genauso furchtbar sind die Rauchergrüppchen, die sich vor Eingängen sammeln. Wir wäre es mit einer Plakataktion: „Rauche lieber 10 Meter weiter drüben“?

Könnt ihr Euch ein Plakat vorstellen, das gezielt Marketingabteilungen großer Supermarktketten anspricht: „Plane Deine Supermarktkasse ohne Quengelware in der Augenhöhe von Kindern“?

Oder wie wäre es mit einer ganzseitigen Anzeige in einem Gastronomiebedarf-Magazin: „Auch Väter wickeln Kinder, bitte richte einen Wickeltisch außerhalb der Damentoilette ein“?

All das sind Beispiele dafür, wie man das Leben von Kindern und Familien verbessern könnte, ohne die Eltern mies zu machen. Kinder sind ein Gut für unsere Gesellschaft und wir alle sollten auf sie acht geben.

Ich bin gespannt, welche Beispiele Euch sonst noch einfallen, die das Leben (nicht nur) von Familien verbessern könnten, wenn sich die gesamte Gesellschaft etwas mehr Mühe gibt.

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

Kommentare

  1. Es gibt einen Unterschied zwischen der Planung des Kita-Platzes und des Spielens diverser Spiele. Letzteres konnte ich bereits mehrfach beobachten.

  2. Danke für den treffenden Artikel! Als selbständige Grafik-Designerin mit zwei kleinen Jungs ist das Telefon wirklich nicht mehr wegzudenken.
    Warum ich um 15.00 Uhr Feierabend mache verstehen nur meine weiblichen Kunden mit eigenen Kindern. Und meine Jungs.
    Außerdem finde ich das Bild unglaublich unpassend. Ich habe den Kinderwagen damals nur freiwillig durch die Gegend geschoben, damit meine Kinder ENDLICH in den Schlaf gefunden haben. Wenn Sie schlafen (und das tun viele im Kinderwagen) darf man doch bitte mal auf das Smartphone sehen. Beim stundenlangen Rumtragen zu Hause geht das nämlich nicht.
    Vor Allem: warum muss immer gleich verurteilt werden, ohne die jeweilige Situation zu kennen.
    Klar sollte jedoch sein, dass es nur kurz ist und die Kinder Vorrang haben.
    Gruß Isa

    • Danke für Deine Worte und den Bericht aus Deinem Alltag! So können wir zeigen, dass eine beobachtete Situation eben nicht immer nur so einfach ist, wie sie vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag.

  3. Julianefiolka sagt: März 15, 2017 at 1:18 pm

    Toller Artikel.Ich nite mein Telefon auch nur für anrufe oder wichtige Nachrichten unterwegs . Ansonsten brauche ich es nicht. Allerdings Stimme ich da voll dass es bessere plakat Aktionen geben könnte. Beispielsweise stell dich mit einer Zigarette nicht neben Kinder, mùtter mit kindern oder Kinderwagen und erst recht nicht neben schwangere !!!

    • Ja, die Zigaretten sind wirklich ein alltägliches Problem von dem viele Eltern berichten. Leider ist das Thema Nichtraucherschutz so ein bisschen verbrannt, nachdem es wirklich viele Schlagzeilen und viel Hass gab, als hier in Bayern das Rauchverbot in Gaststätten kam. Ich befürchte, da traut sich so schnell niemand mehr ran…

  4. Danke für den schönen Beitrag. Du bringst es auf den Punkt. Ich als blinde Mutter habe ständig das Smartphone in der Hand. Anrufen, Mitteilungen, Kalender, Notizen. Auch die Dinge, die ein normal sehende mit einem Zettel und einem B Stift macht gehen bei mir über das Smartphone. Und dann sollen wir Eltern uns ja auch noch informieren. Zeitunglesen, über das Smartphone. Denn wenn du schon unterwegs bist, Mit Kind und Zubehör, dann willst du nicht auch noch eine sperrige Zeitung mitnehmen. Mal abgesehen davon, dass es für blinde nicht geht.

    Abgesehen davon finde ich, dass Kinder einen gesunden Umgang mit dem Smartphone lernen, wenn die Eltern es Ihnen vorlegen. Also in Maßen, aber nicht in Massen
    Also ich möchte mein Smartphone nicht mehr missen. Und meine Kinder, inzwischen Teenager, auch nicht mehr. 🙂

  5. Hab heute dein Interview in br2 gehört….. dass Väter mit in die Kampagne gehört hätten, klar. Aber das Statement, dass man sich ja um das Kind kümmert wenn es in Nöten ist, triffts nicht! Man soll und muss sich auch dann um den Nachwuchs kümmern wenn er nicht schreit! Ich hab schon oft beobachtet, dass kleine Kinder im normalen Plauderton mit Mutter oder Vater reden wollen, und es wird gar nicht wahrgenommen. Warum haben wohl so viele Kinder Defizite im sprachlichen Bereich?

    • Es kam vielleicht nicht ganz deutlich rüber, dass ich natürlich dafür bin, dass man sich um die Kinder kümmert. Aber speziell der Ratschlag „Sprechen Sie lieber mit ihrem Kind“ hat mich sehr geärgert, denn genau das mit dem Kind sprechen ist oft den ganzen Tag über das einzige Sprechen. Ich weiß nicht, ob sie das mal erlebt haben, aber für eine junge Frau mit vielen Interessen kann dieses Beschränkt sein auf die Mutterrolle die Hölle sein (was übrigens nichts mit der Liebe zu ihren Kindern zu tun haben muss).Ich finde Ablenkung legitim und finde es übergriffig, dass davon ausgegangen wird, dass die beobachtete Situation (sei es nun an der Ampel oder beim Friseur) die Regel sei.
      Konkrete Tipps zur Nutzung des Smartphones hätte ich da deutlich hilfreicher gefunden. Denn auch ein Nicht-Elter, das an der Kasse telefoniert, anstatt dem Kassierer Guten Tag zu sagen, ist ein Vorbild.

      • Vielleicht könnten sich intelligente Mütter auch mal mit Bindungsforschung und dem Dauergebrauch des Handys auseinandersetzen. Dazu gbit es auch interessante Studien. Und bevor hier allzu viel lamentiert wird, wie schlecht es jungen Müttern heute geht, dann bedenkt dass meine jetzt erwachsenen vier Kinder groß geworden sind, ohne dass ich eine Oma, Tante oder dgl. um die Ecke hatte oder gar ein Internet hatte, das schnell bei Schnupfen und dgl. weiterhalf. Wir habens auch geschafft – wir haben halt mirät der Nachbarin geredet und bei ihr nachgefragt, in Krabbelgruppen die Erfahrungen ausgetauscht ……und noch heute frage ich mich, wie ich überhaupt als engagierte Frau auf Europaebene ohne Thermomix, Trockner und Handy leben kann. Doch ich bin überzeugt, dass ich manchmal besser lebe und mir nocht noch mehr Stress permament mache. Carpe diem

        • Bei allem Respekt, die „Früher-Gings-Auch-Kommentare“ nützen den Menschen nicht, die Hier und Jetzt ihren Alltag bestreiten müssen. Ja, es ging früher auch ohne Handy. Doch gab es in unserer Gesellschaft deutlich mehr Veränderung als nur die Einführung von Smartphones. Und genau das ignoriert die Plakatkampagne des Landratsamtes. Ich habe versucht mit meinen Beispielen aus dem Alltag dafür eine Sensibilität zu schaffen. Schade, dass es mir bei etlichen Lesern nicht gelungen ist meinen Standpunkt verständlich zu erklären. Ich muss einfach noch mehr schreiben und üben…

  6. Einfach mal mit offenen Augen durch die Stadt gehen. Cappuchino-Muttis mit dem Daddelinchen in der Hand sieht man an allen Ecken, in allen Straßenbahnen, in den Cafés. Und ich bin mir sicher, dass die sicher nicht alle ständig ihre Kindergartenanmeldungen am Laufen haben, die sind nämlich üblicherweise nicht das ganze Jahr.

    Wir haben selbst 2 Kinder (1 und 3), natürlich nutzen wir unsere Smartphones zur Kommunikation und Planung. Ich sicher noch mehr als wie meine Frau, da ich auch dienstlich erreichbar sein muss und daher leider insgesamt 3 Handynummern habe.

    Bei genauer und ehrlicher selbstkritischer Betrachtung sind trotzdem mindestens die Hälfte aller Dinge die man mit den Smartphones macht irgendwelche Spielereien oder Nonsense weil irgendwer in irgendeiner Whatsapp-Gruppe ein Bildchen gepostet hat.

    Ich benutze Mobiltelefone seit Zeiten wo die eine oder andere aktuelle Mama evtl. noch garnicht auf der Welt war, ich kann also durchaus die Entwicklung der Geräte und Benutzung etwas besser erkennen. Früher hattest Dein Handy dabei und warst erreichbar. Meistens stand man dann verschämt in einer Ecke weil alle Leute einen anstarrten, „wie peinlich, der muss ja wichtig sein“. Es wurde telefoniert, die SMS kamen erst ganz langsam auf weil das viele Handies noch garnicht konnten. Dann kam die SMS-Welle, plötzlich hatte jeder so ein Ding in der Tasche. Zahl der Telefonate nicht wirklich angestiegen, dafür mehr SMS. Dann kamen etliche Jahre später die erste Smartphones auf den Markt. Immer noch kein Problem. Dann wollte plötzlich jeder eines, Whatsapp wurde erfunden und eine Trillion Apps waren zu haben. Zahl der Anrufe: in etwa gleich geblieben. SMS nur noch netzbedingte. Whatsapp-Nachrichten am Tag: manchmal gefühlt 1000.

    Wer ehrlich zu sich selber über seinen Handykonsum ist, der wird zugeben müssen, dass pro Stunde etliche Male draufgeschaut wird. Mal ehrlich: Wer ist noch nicht zurück ins Haus/Wohnung und hat noch schnell sein Handy geholt? Auch wenn´s nur kurz zum Bäcker ging? Man will nichts verpassen, leichte Panikattacken kommen auf wenn das Handy daheim liegt, das WLAN nicht geht oder gar das Netz komplett ausfällt.

    Und wenn ich dann Eltern (ganz bewusst sind hier beide Geschlechter gemeint!) die handyglotzend ihren Kinderwagen über die Straße schieben dass man nur noch kopfschüttelnd anhalten kann und die einen dann ganz verwundert anschauen warum man da jetzt der Autofahrer hupt nur weil er deswegen anhalten musste, dann frage ich mich schon.

    Sollte man mal wieder drüber nachdenken bevor man über eine nicht ganz verkehrte Plakataktion herzieht. Denn merke: Nur getroffene Hunde bellen 😉

    • Würde ich mich hier im Blog über Kampagnen äußern, die mein eigenes Leben nicht betreffen, wären die Kommentare sicherlich noch negativer.
      Selbstverständlich sind die von Ihnen beschriebenen Situationen im Straßenverkehr furchtbar, ich verstehe nicht, warum mir unterstellt wird, ich fände soetwas gut?
      Übrigens: Die erste Smartphone-Ampel im Fußboden (!), die vor der herannahenden Straßenbahn warnen soll, wurde nicht vor einem Kindergarten installiert, sondern vor einer Fachhochschule.

  7. moosmüller sagt: März 21, 2017 at 7:40 am

    Die Mutter holt das Kind vom Kindergarten ab und statt sich auf das Kind zu konzentrieren muss noch des Handy betätigt werden. Beim Arztbesuch wird dem Kind in den allerseltensten Fällen ein mitgebrachtes Buch vorgelesen oder ihm ein Märchen selbst erzählt, sondern das Kind bleibt sich selbst überlassen. Unsere Kinder sind jetzt 17 und 20. Ich hatte keine Oma um die Ecke, sondern habe verbindlich etwas mit neu kennengelernten Freunden ausgemacht. Seltsamerweise hat das geklappt. Bei Erkältung googelen?
    Da hab ich vorsichtshalber vorher den Hausarzt gefragt. Fakt ist, das ein Handy nützlich ist, aber es Welten und Zeiten gibt, wo es überbewertet ist. Ist ständige Handyverfügbarkeit besser als für sein Kind verfügbar und aufmerksam zu sein? Eine Balance wäre sinnvoll.

    • Nun könnte man sich darüber streiten, ob Kinder, die in der Lage sind, sich im Wartezimmer selbst zu beschäftigen, etwas Negatives sind. Aber das ist ein anderes Thema. Danke für Ihren Beitrag, die 50er haben angerufen und wollen Ihre Meinung zurück.

      • Bin etwas überrascht über diese Antwort. Sie üben selber sehr stark Kritik an der Kampagne des Landkreises, antworten aber so unsachlich auf kritische Anmerkungen zu Ihrem Blog-Beitrag?
        Die Kampagne selbst kann man sicherlich hinterfragen, aber wie einige hier schon geschrieben haben: nicht das ganze Leben besteht aus Ausnahmesituationen, in denen man unbedingt erreichbar sein muss. Ein Großteil der Handynutzung besteht aus Dingen, die man genauso gut verschieben oder bleiben lassen könnte. Ich selbst (auch berufstätige Mama) habe mein Handyverhalten definitiv verändert, seit ich Mama bin (was nicht heißen soll, dass ich ein perfektes Vorbild bin – im Gegenteil, manch ein WhatsApp-Gruppenbeitrag könnte auch heute noch deutlich länger auf mich warten, als es tatsächlich der Fall ist). Aber zumindest habe ich mir mein Handyverhalten (schon vor der Kampagne) überdacht – und genau darauf zielt die Kampagne ab. Wer sich durch die Plakate ein schlechtes Gewissen machen lässt, sollte vielleicht einfach ehrlich für sich selber hinterfragen, ob nicht vielleicht doch was dran ist an der Kampagne…

  8. Was ich noch unverschämter finde ist, dass nur eine Frau abgebildet ist. Hallo erzkonservative Rollenverteilung.

  9. Sehr geehrte Frau Figas,

    Sie machen das nicht, dass Sie auf Ihr Handy schauen, wenn Ihr Kind sich braucht, oder doch? So viel Selbstbewustsein müssten Sie doch haben, dass Sie über dieser Aktion stehen? Oder doch nicht?

    Man (oder Frau) knn sich sicher um wichtigere Dinge kümmern als über so eine Lapalie. Das Plakat ist überflüssig, denn die Handyklotzer erreichen Sie so nicht. Sie erwarten sinnvolle Vorschläge. Wo bleibt denn Ihr sinnvoller Vorschlag? Nur meckern bringt nichts.

    Das ist alles Wohlstandgejammere! Das nervt mich!

    Einen schönen Tag noch mit dem Handy und Ihrem Kind.

    Gruß
    Gerhard

    • Mir persönlich wäre es ja zu peinlich, einen Artikel zu kommentieren, den ich nicht gelesen habe. Aber so geben Sie mir noch einmal die Gelegenheit, auf meine Vorschläge in den letzten Absätzen aufmerksam zu machen.
      Ein Artikel mit Ideen (und Anleitungen) zur besseren Nutzung des Smartphones ist in Arbeit. Doch dafür nehme ich mir Zeit und werde etwas mit Hand und Fuß veröffentlichen. Dazu gehört auch, dass ich meinen Text noch einmal durchlese, bevor ich auf „veröffentlichen“ klicke. Nur so als Tipp.

  10. Angela Fenchel sagt: März 21, 2017 at 11:28 am

    Man kann sicher nicht darüber streiten, dass es viele Themen gibt, über die es sich lohnt nachzudenken oder in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken. Jetzt wurde eben das Handy zum Thema.

    Aber: Dass das Handy eine dominante Rolle in der Masse der Gesellschaft einnimmt, kann nicht wirklich weg diskutiert werden. Es ist ein Thema in unserer Gesellschaft.

    Das (wenn auch nicht nur) Menschen, die mit Kindern unterwegs sind, sich nicht stören lassen um alles Mögliche zu checken und zu lesen oder selbst zu schreiben, beobachte ich täglich.

    Daher halte ich diese Aktion für gut! Sie richtet sich an Menschen die (oft) unreflektiert zu jeder Zeit ein elektronisches Medium –hier das Handy- einsetzen. Es geht um das eigene Verhalten und das Vorbild, welches wir unseren Kindern geben.

    Ich bin selbst Mutter und Handybesitzerin und nutze es auch. Aber wenn ich mit Kindern unterwegs bin oder sie in meiner Obhut habe, hat das Handy den Nachrang. Und Ausnahmesituationen bestehen nicht täglich und 24 Stunden.

    Wer für sich einen guten Weg im Umgang mit elektronischen Hilfsmitteln gefunden hat, ist mit dieser Kampagne nicht gemeint und braucht (-und sollte) sich nicht angesprochen fühlen. Für Andere kann es sinnvoll sein. Das schlechte Gewissen wäre dann (meiner Meinung nach) auch angebracht.

  11. Paulina R. sagt: März 21, 2017 at 2:33 pm

    Liebe Lisa. Vielen Dank für deinen Beitrag, der hier schon kontrovers diskutiert wurde! Natürlich gibt es bei so einem Thema, wie du auch selbst schon geschrieben hast, kein schwarz-weiß. Vor allem, weil der Grat sehr schmal ist zwischen „was ist ok?“ und „was ist nicht mehr ok?“ (Man sieht es an den Kommentaren). Ich denke: Ja, eine Anti-Smartphone-Kampagne mag für einige Leute schon sinnvoll sein. Und zwar für die, die unreflektiert und viel zu häufig ihr Smartphone nutzen und dabei ihre Kinder vernachlässigen. ABER: Sehr vielen Frauen tut er auch unrecht. Daher ist es gut (und sehr wichtig!), dass du mit dem Artikel auch mal die andere Seite aufgezeigt hast und zeigst, wie es vielen Müttern geht. Daher: Danke dir für diesen und für deine anderen mutigen und guten Artikel!

  12. Franziska sagt: März 21, 2017 at 10:00 pm

    Als Mutter von zwei kleinen Kindern (1 und 4) verstehe ich nicht, dass man zur Planung und Organisation seines Familienalltages das Handy benutzen muss.

    Leider kann ich auch nicht nachvollziehen, dass man als Mutter/Eltern auf einmal isoliert lebt. Ich persönlich kenne seitdem viel mehr Leute (durch Krabbelgruppen, Kinderkirche, Spielplatz, Zoobesuche, Kindergarten, Mamafit etc.) als zu der Zeit, als ich jeden Tag 8 Stunden im Büro saß.

    Vielleicht liegt es daran, dass wir in einem kleinen Dorf wohnen, denn ich erlebe hier keine „ständig auf ihre Handys starrenden Mütter“. In der Stadt mag das anders sein, daher ist die humorvolle Aktion vom Landratsamt durchaus angebracht.

    Fast schon frech finde ich Ihre Bemerkung „studiert und jetzt nur noch Windeln wechseln“.

    Und… es gibt wirklich noch Mütter (und ich bin auch gut ausgebildet, wenn auch nicht studiert), die nicht ständig über das ach so schwere Familienleben und die Rahmenbedingungen klagen, sondern das „Mutter sein“ einfach nur genießen. Die Zeit, in der unsere Kinder uns brauchen, ist doch eh so kurz.

    • Es freut mich, dass Sie aus Ihrem Alltag berichten, das zeigt, wie vielfältig Mutterschaft ist.
      Ich erwarte nicht, dass Sie alle meine Texte zum Thema Mutterrolle und Elternschaft gelesen haben. Doch unterstellen Sie mir bitte nicht, ich würde „ständig … klagen“. Als studierte Soziologin und Politikwissenschaftlerin setze ich mich kritsch mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Familien in Deutschland auseinander und setze damit einen Konterpunkt zum idealisierten Rollenbild der Mutter, welches in vielen Publikationen, Werbung, Filmen, etc. vermittelt wird. Wenn Sie Vorbilder der Kategorie „Mutter sein einfach nur genießen“ suchen, finden Sie die nahezu überall. In meinem Blog ist es erlaubt, dieses Idealbild zu hinterfragen.

      • Angela Fenchel sagt: März 22, 2017 at 9:52 am

        Sehr geehrte Frau Figas,
        schade dass Sie auf den Beitrag von Franziska so drauf hauen und Ihre Qualifikation so stark betonen müssen.
        Wer provoziert muss auch das Kontra aushalten können. Auch das macht unsere Meinungsfreiheit/-vielfalt aus und ist so unendlich wertvoll.

        Möglicherweise habe Ich aber die Intension Ihres Ursprungsbeitrages anders als von Ihnen geplant verstanden. Wer kann schon einem Idealbild entsprechen – und – wer will das schon – und – wer definiert das Idealbild.

        Die Menschen, welche sich zu Ihrem Blog geäußert haben gehören (meiner Meinung nach) eher weniger zu der durch die Plakataktion angesprochenen Zielgruppe. Und für viele Andere ist es vielleicht doch ein ‚Rüttler‘ das eigenen Verhalten zu reflektieren. Ein Versuch ist es allenthalben – sind die Kinder – wert.

  13. Ich wollte noch drei Punkte anmerken:

    Erstens: Als ich vor gut drei Jahren zu meinem Augsburger Liebsten und zur Geburt meiner Tochter nach Augsburg zog, hat mir das Smartphone ermöglicht, mich hier schnell und unkompliziert mit vielen netten Menschen zu verbinden. WhatApp und co sind einfach eine gute Möglichkeit, zu Treffen auf dem Spielplatz einzuladen (gerade die, die sonst vielleicht nicht so leicht Anschluss fänden, sind so unkompliziert dabei). Das ermöglicht es mir und meiner Familie heute, mich in einem wunderbaren und für mich als berufstätiger Frau notwendigem Netzwerk aus neuen Freunden gut aufgehoben zu fühlen. Danke Smartphone!

    Zweitens: Was mir an Augsburg (im Gegensatz zu Hamburg, von wo ich hergezogen bin) auffällt: Man wird hier gerne und viel angemeckert und kritisiert. Vom Busfahrer fürs Weihnachtliedsingen mit der Kleinen („das ist hier verboten“), von fremden Menschen für die verrutschte Socke des Babys, vom selbsternannten Hausmeisterehepaar in unserem Hochhaus für alles und nichts (zuletzt fürs Verschenken von Büchern im Treppenhaus). Und das ist der Punkt, den ich an der Plakataktion nicht gelungen finde: Das Angreifende, Besserwissende, von oben herab und ohne Nachfragen Abkanzelnde. Ich wünsche mir eine Plakataktion in Augsburg mit und für einen freundlicheren, toleranteren Grundton in dieser Stadt.

    Drittens: Zufällig kenne ich Lisa Figas persönlich (Kennenlernen 1.0, ganz analog im Café). Eine Besonderheit an ihr: Sie geht nie ans Handy, wenn man sie anruft. Auf Nachfrage sagte sie mir: „Ich möchte nicht ständig verfügbar sein, möchte nicht im Spielen mit meinem Sohn unterbrochen werden. Deswegen habe ich es aus Prinzip auf lautlos. Ich antworte lieber auf eine Nachricht, wenn es für mich und meine Kinder gut passt“. Das fand ich eine bemerkenswerte, sehr kindzugewandte Haltung.

  14. Macht die öffentliche Hand nichts, wird geschrien – macht sie was ebenfalls.

    Mehr werde ich zu diesem Thema an dieser Stelle nicht mehr schreiben, da es anscheinend von dem ein oder anderen zu persönlich genommen wird und das ist nicht das Thema. -Und hat auch nichts mehr mit kritischer Auseinandersetzung zu tun.

  15. […] möchte ich Euch davon erzählen, welche Reaktionen ich auf meinen Artikel Wir bösen, bösen Mütter erhalten habe. Denn der Text wurde vom Bayerischen Rundfunk (Bayern2 Radio) aufgegriffen und von […]

  16. An alle frueher ging es auch. Wir leben nun mal in 2017 – last uns die Technologie nutzen. Ihr habt doch damals auch in haeuesern gewohnt und nicht mer in hoehlen obwohl die kinder dort mehr Luft bekommen haetten.

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