Die Vertrauensfrage

Es ist nur ein paar Tage her, da bestimmte das Hausaufgabenthema wieder einmal unseren Mittagstisch. Ganz der Vater, bestimmte ich, dass es gleich nach dem Mittagessen ans Lernen geht. Eigentlich sollte das doch ohne Ansage gehen, oder? Bei uns jedenfalls nicht immer.

Wie selbstverständlich gehört an solchen Tagen auch das Überprüfen dazu. Ich gehe also eine halbe Stunde nach dem Essen rauf in die Kinderzimmer. Im Zimmer angekommen hatte ich den deutlichen Eindruck, dass mein Sohn wieder einmal am Handy gespielt hat, anstatt zu lernen. Dazu muss man wissen:

  1. Handys sind bei uns auf den Kinderzimmern nicht erlaubt.
  2. Es ist eh wahrscheinlicher das er mit dem Ding spielt, als seine Nase in ein Schulbuch zu stecken = Generalverdacht.

Ich wollte gerade zu einer pädagogisch wertvollen Standpauke ansetzen, da versaute mir mein Filius die Lust daran: Er schaute mich direkt an, wusste was ich wohl dachte und „Du vertraust mir nicht!“ knallte es mir entgegen. Und da stand ich nun ich armer Tor… den Rest könnt ihr euch dazu reimen. „Vertrauen muss sich erst verdient werden!“ War meine spontane Antwort. Wie? War ich das, der das gerade gesagt hat? Superklasse, väterliche Glanzleistung. – Geht es euch auch machmal so? 

Hausaufgaben? Das Smartphone ist für Kinder viel interessanter.

Vertrauen kann Mann nicht verdienen

Sind es nicht die Kinder, die als erstes vertrauen? Vom ersten Moment vertrauen sie darauf, dass wir in der Lage sind sie zu schützen, zu ernähren, zu lieben und anzunehmen wie sie sind. Bedingungslose Liebe, das kenn ich vor Allem von meinen Kindern. Mir stellt sich die Frage, ob wir es nicht sind, die nach und nach ihr Vertrauen und ihre Liebe aufs Spiel setzen und im schlimmsten Fall verlieren? Vertrauen muss sich nicht verdient werden – Vertrauen muss erhalten bleiben. 

Für mich sind zwei Dinge grundlegend, um entgegengebrachtes Vertrauen nicht zu verlieren. Ich muss ehrlich sein. Oft sind es schon kleine Lügen, denen große folgen. Und unsere Kinder haben eine hervorragende Antenne, wenn es darum geht uns zu entlarven. Dann finde ich, den Dingen Ihren Raum zu geben, aber auch seine Grenzen zu kennen und mitzuteilen ist eine echte Form Liebe zu leben. Das ist nicht so einfach wie es klingt. Muss ich doch lernen, meine Gefühle erst selbst richtig einzuschätzen und dann auch noch anderen verständlich mitzuteilen. Das gelingt nicht von heute auf morgen, sondern ist eine tägliche Übung. Da ist das Versagen mit eingeschlossen und hier muss ich großzügig mir selbst gegenüber werden: Ehrlichkeit ohne Liebe geht nicht. Auch mir selbst gegenüber. 


Papa Henry

Henry ist Papa von vier Jungs im Alter von 6 bis 14 Jahren. Er lebt mit seiner Familie im ländlichen Umland von Augsburg. Henry schreibt über den Alltag mit seiner Kinderschaar. Schwerpunktthemen sind Werteorientierte Erziehung und Überlegungen zu Fragen der Erziehung.

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