Schlaf, wenn das Baby schläft!

Dass ich mich ausruhen soll, wenn das Kind schläft ist einer der meistgehörten Tipps. Fast jeder, mit dem ich mich in der Schwangerschaft unterhalten habe, meinte, mir diese Weisheit mit auf den Weg geben zu müssen.

Beim ersten Kind machte das noch einigermaßen Sinn. Schließlich kämpfte ich nicht nur mit dem berühmten Schlafmangel, sondern auch damit, mich an die neue Situation, an das Muttersein zu gewöhnen. Verunsicherung und Verwirrung auf allen Ebenen. Also: Schlafen, wann immer es geht. Das klappte mal besser, mal schlechter. Vor allem dann, wenn ich das Kind wütend stundenlang um den Block geschoben hatte, damit es endlich, endlich schläft, hatte ich so viel Adrenalin im Blut, dass an Ausruhen nicht zu denken war, als endlich die kleinen Äuglein zugefallen sind.

In der Schwangerschaft mit Kind Nr. 2 haben mein Mann und ich uns auf ein krasses erstes Jahr eingestellt. Wir erwarteten, dass wir beide so gut wie gar nicht schlafen würden und überlegten uns Taktiken, wie wir diese anstrengende Zeit wohl überleben würden.

Doch dann haben wir ausversehen das pflegeleichteste Baby dieser Welt bekommen. Das kleine Mädchen schläft (bis auf kurze Stillpausen) die ganze Nacht und schlummert auch tagsüber immer wieder weg. Vor allem Vormittags, wenn das große Kind in der Betreuung ist, habe ich dadurch Zeit für den Haushalt und den Papierkram.

Ich bin davon ausgegangen, dass die beiden Kinder so gut wie nie gleichzeitig schlafen werden (tagsüber). Doch tatsächlich klappt das hin und wieder ganz gut. Theoretisch könnte ich mich dann dazu legen. Also jetzt im Moment zum Beispiel.

Doch mit dem neuen Baby sind auch unsere Aufgaben gewachsen. Der Wäscheberg ist höher, die Geschirrspülmaschine ist schneller voll und die Lebensversicherung für den Familienzuwachs schließt sich auch nicht von allein ab…

Also ist der schlaue Tipp, ich soll mich doch hinlegen, wenn das Baby schläft auch mit diesem Kind nur so semi-schlau… Im Gegenteil, langsam kann ich diesen Mist nicht mehr hören. Mir persönlich hat es viel mehr gebracht, die Ansprüche im Haushalt runterzuschrauben. So bringen die Kinder nun manchmal ganz schön große Staubmäuse zum Vorschein, wenn sie Spielzeug unter der Couch hervor fischen. Andererseits geht nicht sofort mein Puls hoch, wenn jemand mit sandigen Gummistiefeln aus dem Garten kommt und über den Teppich im Wohnzimmer läuft. Ist halt so.

Worauf will ich eigentlich hinaus? Hört endlich auf, jungen Eltern oder Schwangeren „tolle“ Tipps zum Thema Schlaf zu geben. Viel hilfreicher ist es, wenn man zu Besuch ist, einfach mal den Staubsauger zu nehmen und zu saugen. Das hilft ehrlich gesagt wesentlich mehr, als das 15. Paar Babyschühchen anzuschleppen…


Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

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