Was Sie über pränatale Diagnostik wissen sollten

Pränataldiagnostik

Pränataldiagnostik

Ich gebe es gleich zu: Ich bin im allgemeinen gegen die Pränataldiagnostik. Es will mir einfach nicht in den Kopf, warum man diese körperlich und psychisch wahnsinnig anstrengenden Behandlungen über sich ergehen lässt, nur um einen unwarscheinlichen Fall auszuschließen: ein Kind mit Down-Syndrom – denn um diese Behinderung geht es meistens. Wenn über das Thema Pränataldiagnostik gesprochen wird.

Medizinischer Fortschritt ist natürlich etwas Großartiges – keine Frage. Und bei gesundheitlicher Vorbelastung und Erbkrankheiten in der Familie ist so eine gezielte Untersuchung sicherlich sinnvoll. Aber jeder Frau ab 35 ein schlechtes Gewissen einzureden, weil sie sich nicht mit eine Nadel in den Babybauch piksen lassen will, halte ich doch für äußerst fragwürdig. Und ich bin sehr froh, dass ich meine Kinder vor dieser magischen Altersgrenze bekommen habe (bzw. werde).

Das Buch, um das es heute gehen soll, habe ich aus einer Laune heraus als Rezensionsexemplar bestellt. Ja, ich bin gerade schwanger und nein, ich hab nicht vor, pränataldiagnostische Untersuchungen machen zu lassen, die über Urinproben und Ultraschall hinaus gehen. Aber ich dachte, dass ich hier was lernen kann – auch wenn ich es nicht für mein eigenes Leben anwenden möchte. Denn grundsätzlich finde ich ja Gene und Genetik eine unheimlich interessante Sache.

So war ich ein bisschen überrascht, dass schon nach wenigen Zeilen klar wird, dass auch die Autorin dieses Buches, Vivian Weigert, eine klare Gegnerin der Pränataldiagnostik ist. Sie drückt es einfach nur anders aus als ich, nämlich mit wissenschaftlichen Fakten. Sie betrachtet zunächst einmal die gesellschaftliche und moralische Seite des Themas und berichtet, dass es in vielen Naturvölkern Rituale während der Schwangerschaft gibt. Erst nach diesem Ritual wird die Frau anders behandelt (geschont) oder besonders verehrt. In unserer Kultur hat es sich so eingebürgert, dass sich die Frau (bzw. die Eltern) erst nach den unaffälligen Untersuchungsergebnissen wirklich freuen dürfen. Viele erzählen sogar erst dann von der Schwangerschaft, wenn sie durch die Pränataldiagnostik erfahren haben, dass das Kind „gesund“ ist. So ist diese Methode zu einem festen Ritus der Schwangerschaft geworden und entsprechend gesellschaftlich sanktioniert werden die Frauen, die sich daran nicht beteiligen wollen.

Methoden der Pränataldiagnostik

Weiter geht es mit ein paar Matheaufgaben. Hier entlarvt Vivian Weigert die Kommunikationsmethoden des Wirtschaftszweiges Pränataldiagnostik – frei nach dem Motto: Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast. Um das zu veranschaulichen zitiere ich aus dem Buch (Seite 45):

„Wie würde es Ihnen gehen, wenn man Ihnen beispielsweise nach einer Blutuntersuchung wie dem Tripple-Test sagt, Ihr statistisches Risiko sei bei 1:70 im Vergleich zu dem Ihrer Altersgruppe von 1:700? Würden Sie sponatn meinen, Ihr Risiko sei um das Zehnfache erhöht? Hätten Sie denselben Eindruck, wenn man Ihnen stattdessen sagte: Die Warscheinlichkeit, dass Ihr Kind gesund ist, liegt bei 98,6 Prozent im Vergleich zu dem ihrer Altersgruppe von 99,8 Prozent?“

Weigert beschreibt in Ihrem Buch „Was Sie über pränatale Diagnostik wissen sollten“ die verschiedenen Untersuchungen und die daraus zu erwartenden Ergebnisse und deren Aussagekraft sehr genau:

  • Ultraschall
  • Blutuntersuchungen (Tripple-Test, AFP-Test)
  • Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung)
  • Chorionzottenbiopsie (Punktierung des Gebährmutter-Gewebes)
  • Nabelschnurpunktion
  • Genetische Analysen
  • Präimplantations-Diagnostik

Danach folgt eine Erklärung über die möglichen Diagnosen und ihre Bedeutung, einige Betrachtungen zu Abtreibung und Tod des Kindes etliche Erfahrungsberichte von Eltern behinderter Kinder.

Pränataldiagnostik anwenden?

Trotz der eindeutigen Haltung der Autorin, halte ich dieses Buch für alle Eltern für sinnvoll, die sich die Frage stellen ob und welche Methoden der Pränataldiagnostik sie anwenden wollen. Zumal hier auch die Argumentation der Ärzte entlarvt wird und die Situationen beschrieben werden, mit denen die Frauen unter Druck gesetzt werden. Allein um solche Situationen zu erkennen und um keine überstürzten Entscheidungen zu treffen, ist dieser Ratgeber ungemein hilfreich.

Es ist mir ein großes Anliegen, dass Eltern, und insbesondere die Frauen, selbstbestimmte Entscheidungen treffen können. Das geht aber nur mit der entsprechenden Aufklärung. Dieses Buch hilft dabei, denn es beleuchtet genau die Winkel der Pränataldiagnostik, die in der Frauenarztpraxis im eher im Dunkeln bleiben.

Für die persönliche Beratung listet Vivian Weigert am Ende verschiedene Stellen für psychosoziale Beratung rund um die Pränataldiagnostik auf. Auch jenseits von diesem Buch hat sich Weigert als Verfechterin für natürliche Mutterschaft und das Vertrauen in den eigenen Körper und die Instinkte einen Namen gemacht. So bin ich persönlich zum Beispiel noch immer dankbar, dass ich ihr Stillbuch in den ersten Tagen nach der Geburt meines Sohnes zur Hand hatte. Ihre weiteren Publikationen und Informationen zu ihrer Praxis finden sich auf ihrer Webseite: Vivian Weigert

Das Buch Bekommen wir ein gesundes Baby? Was Sie über pränatale Diagnostik wissen sollten von Vivian Weigert ist bei randomhouse erschienen. Es umfasst 224 Seiten und kostet 15,95 €. Wir danken dem Verlag für die Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplares.

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

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