Nicht verheiratet als (werdende) Eltern – Behördengänge und Anträge

Gastbeitrag von Dr. Katja Heumader

Vor anderthalb Jahren wurde unsere Tochter geboren. Und wir – also wir werdende Eltern – waren nicht verheiratet. Damit befanden wir uns in guter Gesellschaft: Immer mehr Paare entscheiden sich für ein Kind, auch wenn sie (noch) nicht verheiratet sind: 2013, in dem Jahr, in dem auch unsere Tochter geboren wurde, betrug der Anteil „nichtehelicher“ Kinder an allen Geburten fast 35 Prozent.

Neues Leben entsteht – und die Behörden drehen durch

Vielleicht ist Euch, egal, ob verheiratet oder nicht, auch schon aufgefallen, dass sich für so ein neues Leben nicht nur die werdenden Omas und Opas interessieren. Nein, auch die Ämter und Behörden sind ganz vorne dabei, wenn eine Geburt bevorsteht oder gerade „passiert“ ist. Schließlich muss der neue Mensch registriert, in Kategorien einsortiert und beurkundet werden. Dieser Ämterwahn geht soweit, dass die Hebamme uns im Geburtsvorbereitungskurs geraten hat, alle Anträge soweit es geht schon vor der Geburt auszufüllen, weil man danach weder Zeit noch Hirn dafür hat. Ein guter Tipp! Im Zustand der geistigen Umnachtung zwischen Babyblues und Stilldemenz hätte ich es niemals geschafft, Eltern- und Kindergeld und was weiß ich noch alles zu beantragen!

Eltern nicht verheiratet – die Behörden drehen noch mehr durch

Neben Eltern- und Kindergeld muss man noch mehr Behördengänge erledigen, wenn man eben nicht verheiratet ist. Und wenn noch Sondersituationen wie Arbeitslosigkeit oder – wie in meinem Fall – ein Stipendium dazukommen, ist man mitten im Papierkrieg gelandet. Ich habe mir deshalb einen „Projektplan Baby“ angelegt, in dem ich alle Anträge, was ich dafür benötige und in welchem Zeitraum ich sie stellen muss, vermerkt habe. Eure Daten müsst ihr natürlich noch selbst eintragen, aber der Plan beinhaltet alle wichtigen Eckdaten und Links zu Formularen. Die Wege und das Ausfüllen kann ich Euch leider nicht ersparen. Aber zumindest kann ich Euch die Recherche erleichtern!

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Zeitplan Ämter und Anträge – Behördengänge vor und nach der Geburt

Anerkennung der Vaterschaft

Bei Paaren, die in anständigen Verhältnissen leben (wie wir mittlerweile übrigens auch), gilt grundsätzlich der Ehemann als Vater. Sind die Eltern aber nicht verheiratet, dann muss der Vater die Vaterschaft auf dem Standesamt anerkennen.

Wann? Vor der Geburt möglich

Wo? Standesamt oder Jugendamt

Unterlagen? Ausweis und Geburtsurkunde des Vaters

Beantragung des gemeinsamen Sorgerechts

Wenn die Eltern nicht verheiratet sind, dann bekommt automatisch die Mutter das Sorgerecht, der Vater hat nichts zu melden. Heiratet das Paar, bekommt auch der Vater das Sorgerecht. Gerade, wenn ihr aber nicht in nächster Zeit vorhabt, den Bund der Ehe zu schließen, solltet ihr aber darüber nachdenken, das gemeinsame Sorgerecht zu beantragen. Denn stößt der Mutter etwas zu, dann muss der Vater unter Umständen erst vor Gericht ziehen, damit er sein Kind selbst großziehen darf.

Wann? Vor der Geburt möglich

Wo? Jugendamt

Unterlagen? Ausweise der Eltern und Geburtsurkunden der Eltern

Antrag auf Mutterschaftsgeld

Alle Frauen, die in einem Angestelltenverhältnis stehen, haben eine Mutterschutzfrist: Die beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin und dauert acht Wochen nach der Geburt. Während dieser insgesamt (mindestens) 14 Wochen bezahlen die Krankenkasse (bei gesetzlich Versicherten) oder die Mutterschaftsgeldstelle und der Arbeitgeber insgesamt den vollen Verdienst.

Wann? Schwangerschaftswoche 33-34

Wo? Krankenkasse (bei gesetzlich versicherten) oder Mutterschaftsgeldstelle (bei Privat- oder Familienversicherten). Formulare gibt es hier.

Unterlagen? Bescheinigung des Arztes über Entbindungstermin

Geburtsurkunde des Kindes

Um die ganzen anderen Leistungen zu bekommen, die unten noch folgen, braucht man den Nachweis, dass das Kind auch wirklich geboren wurde. Die Geburtsurkunde kann man meist schon im Krankenhaus beantragen, hier liegen alle Formulare bereit. Die perfekte Aufgabe für den frisch gebackenen Papa! Innerhalb einer Woche nach der Geburt muss sie beantragt werden.

Wo? Standesamt des Geburtsortes – Formulare gibt es aber meist im Krankenhaus

Wann? Binnen einer Woche nach der Geburt

Unterlagen?

  • Personalausweise der Eltern
  • Geburtsurkunde der Mutter
  • Vaterschaftsanerkennung

Antrag auf Elterngeld

Das Elterngeld beträgt bei Angestellten 67 Prozent des Durchschnittsgehalts der zwölf Monate vor der Geburt. Bei Selbstständigen sind es 67 Prozent des Durchschnittseinkommens des letzten Kalenderjahres. Es wird höchstens 14 Monate lang gewährt.

Die Mutterschutzzeit wird bei Frauen auf die Elternzeit und den Bezugszeitraum von Elterngeld angerechnet. Deshalb beantragt das Elterngeld – und Eure Elternzeit – nach der Geburt. Die Väter müssen ihre Elternzeit mindestens sechs Wochen vor Beginn beim Arbeitgeber anmelden. Viel früher solltet ihr es auch nicht tun, denn acht Wochen vor Beginn der Elternzeit habt ihr Kündigungsschutz. Beantragt ihr es zu früh, kann Euch der Arbeitgeber, so drastisch es klingt, noch rausschmeißen.

Wann? Nach der Geburt, am besten innerhalb der Mutterschutzfrist (Zahlung rückwirkend maximal drei Monate)

Wo? In Bayern kann man sein Elterngeld hier online beantragen. Trotzdem muss man das Ganze noch ausdrucken, unterschreiben und per Post schicken.

Unterlagen?

  • Geburtsbescheinigung des Kindes (Betreff für soziale Zwecke)
  • Lohn- und Gehaltsabrechnung bzw. Steuerbescheid bzw. Bilanz oder Einnahmen-Überschussrechnung
  • Bescheinigung der Krankenkasse über Mutterschaftsgeld
  • Bescheinigung über Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld
  • Wenn Du während der Elternzeit Teilzeit arbeiten möchtest (maximal 30 Stunden möglich): Bescheinigung des Arbeitgebers über Arbeitszeit

Antrag auf Kindergeld

Für jedes Kind in Deutschland wird Kindergeld gezahlt, unabhängig vom Einkommen. Die notwendigen Formulare kann man sich hier bei der Agentur für Arbeit herunterladen.

Wann? Nach der Geburt

Wo? Agentur für Arbeit

Unterlagen? Geburtsurkunde des Kindes in beglaubigter Kopie

So liebe werdende und frisch gebackene Eltern – das war es vorerst! Aber Achtung: Nur wenige Wochen nach der Geburt bekam unsere Tochter ihren ersten Brief vom Finanzamt. Während ich mich noch fragte, ob das Postgeheimnis auch für Säuglinge gilt (schließlich war der Brief an unsere Tochter adressiert und nicht an ihre Eltern), hatte mein Mann den Brief schon geöffnet. Unser Kind hat seitdem auch eine Steueridentifikationsnummer. Ganz ohne Antrag.


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Kommentare

  1. […] HausHofKind […]

  2. Chrysanti sagt: August 16, 2018 at 2:14 pm

    Herzlichen Dank für die super zusammen gefasste Darstellung der Vorgehensweise für die einzelnen Anträge. Total übersichtlich und hilfreich, da keiner einem die Schritte erklärt, ohne dem jenigen irgendwie die Antworten aus der Nase zu ziehen (selbst die Hebamme nicht). Ich freue mich diese Seite gefunden zu haben :))

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