Mann, Papa, Vater

Lasst Väter Vater sein

Lasst Väter Vater sein

Die Journalistin Barbara Streidl hat 2015 ein Buch mit dem kämpferischen Titel „Lasst Väter Vater sein“ vorgelegt. Die Streitschrift beschäftigt sich mit den vielen Hürden, die Väter im Umgang mit ihren Kindern erfahren. Seien es nun die Chefs, die Mütter, die Gesellschaft oder das Gesetz – Vieles steht einer unbeschwerten Vaterschaft im Weg.

Papa ist Papa und nicht die B-Mama

Streidel analysiert all diese Hürden und zeigt auf, in welchem Maße auch Väter den vielen Regeln unserer Zeit unterworfen sind. Dabei ist ihr wichtigstes Anliegen die Gleichberechtigung der Elternteile in beruflicher, gesetzlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Denn sie geht eben nicht davon aus, dass automatisch die größtmögliche Anwesenheit der Mutter auch das größtmögliche Kindeswohl bedeutet.

Dabei geht es Ihr aber eben nicht darum, dass Väter Mütter kopieren so gut sie eben können, sondern darum, dass sie ihre Vaterrolle frei und selbst gestalten können. Eine Forderung, die für Mütter natürlich ebenso gilt.

Es ist höchste Zeit, diese lediglich gut gemeinte Regel ad acta zu legen: Papa ist keine Mama zweiter Klasse. Sondern Papa.

Barbara Streidl, Lasst Väter Vater sein, Seite 48

Streidl hat ohne Frage viel recherchiert und kann ihre Argumente gut begründen. Ich habe mich mit ihrem Buch allerdings etwas schwer getan, weil es so extrem verdichtet ist. Sie bringt viele tolle und wichtige Argumente und liefert das entsprechende Zahlenmaterial dazu. Doch wenn in einem Satz oft drei oder mehr wichtige Informationen enthalten sind, und im nächsten und übernächsten auch wieder, verliert man als Leser schnell den Faden. Ich habe diese Streitschrift deshalb über einen längeren Zeitraum in kleinen Etappen von einigen Seiten gelesen.

Eine tolle Zusammenfassung von Streidls Thesen findet sich am Ende des Buches in den Neun Forderungen für eine Bessere Zukunft:

  1. Mehr Zeit und Geld für Papa und Mama
  2. Mehr Entscheidungsfreiheit für Papa und Mama
  3. Mehr Autorität für Papa
  4. Mehr Überlebenschancen für Elternbeziehungen nach Trennungen
  5. Mehr Familienfreundlichkeit für Papa
  6. Mehr offene Türen für Papa
  7. Mehr Vaterchancen ergreifen
  8. Mehr Vater statt Mutter zweiter Klasse
  9. Mehr Anerkennung für Papa und Mama

„Lasst Väter Vater sein“ ist eher ein Nachschlagewerk als ein Lesebuch. Ein Buch, in dem man bei Bedarf mal die Kapitel zu den Trennungsvätern oder den Ernährern nachlesen kann. Sei es nun, weil man selbst versucht, den eigenen Standpunkt zu definieren, oder weil man für eine Debatte über Elternschaft gute Argumente sucht. Beide Anliegen bedient dieses Buch.

Die Journalistin Barbara Streidl

Ich selbst kenne Barbara Streidl als Moderatorin des Zündfunk, einer Musiksendung des Bayerischen Rundfunks, und als Podcasterin im feministischen Lila Podcast, den sie zusammen mit Katrin Rönicke und Susanne Klinger etwa alle zwei Wochen veröffentlicht.

Im Hinblick auf das hier vorgestellte Buch empfehle ich auch das Interview mit der Autorin in der taz: Papa-Bashing sorgt für Lacher. Auszug:

Wir leben in einer janusköpfigen Gesellschaft, die einerseits den angeblichen Gebärstreik der Akademikerinnen verurteilt, andererseits aber die betriebliche Familienfreundlichkeit nicht geschlechterübergreifend sichert.

Das Buch „Lasst Väter Vater sein“ von Barbara Streidl ist im Verlag BELZ erschienen und kostet 16,95 €.


Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

Kommentare

  1. […] dazu auch die Streitschrift „Lasst Väter Vater sein“ von Barbara Streidl, welche wir kürzlich hier im Blog vorgestellt […]

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