Kuhmilchallergie bei Kindern

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Blogparade Kuhmilchallergie von Mamawissen.de. Durch unseren Beitrag wird eine Spende von 100 € an die SOS Kinderdörfer übermittelt.

Unser Sohn hat in seinen ersten Lebensmonaten eine starke Neurodermitis entwickelt. Durch die Zusammenarbeit mit einem Kinderosteopath und dem Kinderarzt hat sich herausgestellt, dass der Auslöser eine Unverträglichkeit von Kuhmilchprodukten ist. Für unsere Familie hatte das vor allem zwei Auswirkungen: Die Ernährungsumstellung und das Geschwätz der Leute.

Diagnose Kuhmilchallergie

In der ersten Zeit nach der Geburt hielt man den Ausschlag im Gesicht unseres Sohnes für Neugeborenenakne. Der Arzt, die Apothekerin, die Hebamme und unser Umfeld beruhigten: Das ist ganz normal, das haben viele Babys. Doch als das Kind nach 3 Monaten immer öfter ein blutig gekratztes Gesicht hatte und eigentlich permanent Handschuhe tragen musste, baten wir den Kinderarzt um Klärung. Ich machte mir damals sorgen, weil ich jede blutende Wunde für einen Infektionsherd halte und mein Kind natürlich so gut wie möglich schützen wollte.

Die Kuhmilchallergie kann bei Kindern schweren Ausschlag verursachen.

Zunächst erhielten wir eine Creme mit Antibiotika, die wir auf die betroffenen Stellen auftragen sollten. Diese Creme wirkte Wunder! Innerhalb von einer Stunde hatte das Kind die schönste babyzarte Haut. Wir waren begeistert! Leider nicht sehr lang, denn die Wirkung lies nach einigen Stunden wieder nach.

Die nächste Creme, die wir erhielten, war mit Kinderosteopath. Jeder, der davon hörte, erschrak: Oh Gott! Cortison! Aber was sollten wir machen? Das Kind war ständig Wund und blutig und die Situation zehrte an unseren Nerven. Leider war auch die Wirkung des Cortison nicht besonders lang anhaltend. Immer wieder waren wir frustriert, weil wir sahen, wie das kleine Würmchen leidet.

Der Kinderarzt hatte den Verdacht auf Kuhmilchallergie schon vorsichtig angedeutet. Der Besuch beim Osteopath brachte dann Gewissheit. Oh je! Ernährungsumstellung stand auf dem Plan.

Ernährungsumstellung bei Kuhmilchallergie

Die Kuhmilchallergie hat – soweit ich das verstanden habe – nichts mit einer Laktoseintoleranz zu tun. Es geht vielmehr um das spezielle Eiweiß, das in der Milch von Kühen enthalten ist. Der Umstieg auf laktosefreie Produkte bringt also gar nichts.

Da unser Sohn zum Zeitpunkt der Diagnose noch fast voll gestillt wurde, traf die Umstellung in erster Linie mich. Wir strichen also alle Kuhmilchprodukte vom Speiseplan und lernten Alternativen kennen. Nach etlichem ausprobieren landeten wir so bei Hafermilch. Die lässt sich mit unserem Milchschäumer Zuhause sogar in einen Latte Macchiato verwandeln. Leider bieten die meisten Cafés nur Soja als Alternative an. Im Bereich Käse wechselten wir zu Ziegenkäse oder verzichteten ganz darauf. Einen guten Ersatz für Butter haben wir nie so richtig gefunden. Die Produkte aus Olive oder Margarine schmeckten mir alle nicht. Beim Kochen kann man Sahne sehr gut durch Mandelmus ersetzen, was ebenfalls Sämigkeit und einen höhen Fettanteil mitbringt.

Natürlich war es nervig, ständig auf die Zutaten zu achten, hatte ich doch schon in der Schwangerschaft so viele Regeln zu befolgen (keine Rohmilchprodukte, kein rohes oder geräuchertes Fleisch/Fisch, keinen Alkohol) und war eigentlich froh, wieder sorglos essen zu können (abgesehen vom Alkohol natürlich).

Doch wir sahen den Fortschritt! Wirklich weg war der Ausschlag nie. Doch wir sahen eine deutliche Verbesserung der Symptome. Das Kind fühlte sich sichtlich wohler und wir sorgten uns nicht mehr jeden Tag wegen der blutigen Wunden. Wir konnten mit der Situation gut leben.

Neurodermitis – jeder weiß etwas darüber

Womit wir gar nicht leben konnten, war das Geschwätz der anderen Leute. Unglücklicherweise hatte sich der Ausschlag im Gesicht unseres Sohnes ausgebreitet. Also genau der Bereich, den jeder sieht, der das Kind betrachtet. Am kompletten restlichen Körper war er beschwerdefrei und hatte die schönste Babyhaut.

Das Problem bei Neurodermitis ist, dass so viele Leute davon betroffen sind, gleichzeitig die Krankheit aber auch sehr individuell verläuft. So erfuhren wir von jedem (!) ungefragt die besten Tipps. Die Kassiererin im Reformhaus empfahl, die betroffenen Stellen in einem bestimmten Mittel zu baden. Mein Hinweis, dass das Kind dabei ertrinken würde, verhallte ungehört. Die Nachbarin empfahl Kräutermischungen und die Oma bestellte sündhaft teure Öle mit Omega-Säuren bei einem Versandhandel mit Sitz in Kanada. Diese sollte ich zu mir nehmen und sie dem Kind in die Beikost mischen.

Davon abgesehen hielt sich aber auch kaum jemand mit Bemerkungen zum aktuellen Zustand zurück. Wir erlebten mehrmals, dass fremde Leute auf der Straße uns ansprachen: „Sie, Ihr Kind hat was im Gesicht – gehen Sie doch mal mit ihm zum Arzt!“ und auch die Familie begrüßte uns bei jedem Besuch mit dem Satz: „Heut schaut das Kind aber gut/schlecht aus!“ Kurzum: Die Neurodermitis war das vorherrschende Thema. Ein ausführlicher Bericht über die Distanzlosigkeit der Leute von mir ist übrigens im Blog Umstandslos erschienen: Nein, Danke!

Die Kuhmilchallergie ist verschwunden!

Bereits bei der Diagnose hörten wir, dass diese Allergie wohl zwischen dem ersten und dem vierten Geburtstag verschwinden würde. Bei uns war es zwei Wochen nach dem ersten Geburtstag soweit. Zuerst bemerkten wir es gar nicht so richtig. Doch nach ein paar Tagen wurde uns bewusst, dass das Kind beschwerdefrei war. Jeden Morgen staunten wir über seine wundervolle Haut und den zarten Ausdruck in seinem Gesicht. Wir wagten lange Zeit nicht, uns wirklick zu freuen, weil wir Angst hatten, die Allergie könnte zurück kommen. Doch nun ist unser Sohn 2,5 Jahre alt und wir hatten nie wieder Probleme. Im Gegenteil: Das Kind liebt Käse! Als müsste er verpasste Malzeiten wieder aufholen verlangt er bei jeder Gelegenheit nach Käsebrot und freut sich über extra dicke Butter auf seiner Breze. Wenn ich Milchschaum trinke bekommt er ein paar Löffel ab und Eis mit Schlagsahne ist sowieso für jedes Kind der Hammer 😉

Manchmal bekommt er noch rote Wangen. Zum Beispiel wenn wir Pizza essen. Wir glauben, das liegt an der sauren Tomatensauce. Aber warscheinlich hätte jeder von uns Flecken im Gesicht, wenn er sich mit gekochten Tomaten einreiben würde. Das beunruhigt uns also nicht weiter.

Linktip zum Thema: Der deutsche Allergie und Asthmabund e.V. (daab) berät zum Thema Kuhmilchallergie. Bei der Frage, ob Ihr Kind tatsächlich an einer Kuhmilch-Allergie leidet, kann dieser Online-Test helfen – zu einem Arztbesuch raten wir allerdings trotzdem!


Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

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