Und wie isses bei Euch so mit Kindern?

Plötzlich ist man in dem Alter, in dem alle um einen herum heiraten oder Kinder bekommen. Oder beides. Wenn es im Freundeskreis Frauen gibt, die noch nicht Mutter sind, oder wenigstens schwanger, fällt das natürlich auf. Mit Inka, die als Knitterfee über ihren Kinderwunsch bloggt und twittert habe ich mich darüber ausgetauscht, warum die Frage nach der Familienplanung eine unangebrachte Frage ist.

Der heutige Text befasst sich damit, wie man mit Frauen über ihre Kinderlosigkeit redet. Eigentlich könnten wir es kurz machen. Die Antwort ist nämlich: Gar nicht. Denn wer über Familienplanung reden möchte, der wird das Wort ergreifen, sobald das Gespräch auf das Thema kommt. Wer schweigt, hat meistens einen guten Grund dazu.

Kinderwunsch ist ein schlechtes Thema für SmallTalk

Es gibt natürlich auch Menschen, die einfach keine Kinder haben möchten. Doch in sehr vielen Fällen gibt es eine schmerzhafte Geschichte. Die Gründe für Kinderlosigkeit sind vielfältig: Unfruchtbarkeit, Fehlgeburt, fehlender Partner… nichts davon eignet sich als Gesprächsthema in großer Runde, während nebendran der Grill bruzelt. Wer in solchen Situationen unsensibel nachfragt, bringt die Betroffenen dazu, zu lügen, ausweichend zu antworten, das Thema zu wechseln oder verursacht zumindest negative Gefühle – was ja auch schon schlimm genug ist.

Ich habe von Frauen gehört, die sich bereits Tage vor einer Party Argumente und Ausflüchte bereit legen, weil sie nicht jedem die vorangegangene Fehlgeburt erklären wollen. Manche sind sogar gleich daheim geblieben, wenn sie sich an dem Tag nicht stark genug fühlten, mit dem Thema umzugehen. Denn eines ist sicher: Man wird gefragt.

Inka schreibt dazu:

Auch die Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch rüsten auf, und wer fragt, bekommt vielleicht Antworten, die er so gar nicht hören wollte. Ich zum Beispiel beantworte die Frage mittlerweile mit „Nein, mein Mann hat praktisch keine Spermien, daher sind wir auf künstliche Befruchtung angewiesen“ – und erzähle dann weiter von Spritzen, Blutentnahmen und transvaginalen Ultraschalluntersuchungen, meiner Insulinresistenz, der jetzt auch noch festgestellten Gerinnungsstörung, Spermiogrammen und so weiter. Denn wer eine derart persönliche Frage als Smalltalk-Thema nutzt, wird es (hoffentlich) nach so einer Antwort nicht wieder tun – und hat im besten Fall sogar noch was gelernt.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen das tun können, damit mehr Menschen merken, was das für ein sensibles Thema ist. Deswegen rede und schreibe ich in meinem Blog auch so offen darüber, weil ich es wichtig finde, das Stigma loszuwerden.

Denn es ist Fakt: Das Thema wird mehr und mehr Menschen in unserer Generation und vermutlich auch noch die Generation nach uns betreffen – denn dass Hodenhochstände zum Beispiel bereits im ersten Lebensjahr korrigiert werden und damit die Wahrscheinlichkeit ein OAT (Anm. der Red. : krankhafte Veränderung der Spermien) zu entwickeln geringer wird, ist eine Praxis die erst seit einigen Jahren so durchgeführt wird.

Unsere Generation (diejenigen die jetzt +-30 Jahre alt sind) wird viele Männer haben, die unfruchtbar sind, wir Frauen haben bereits seit dem 15. Lebensjahr die Pille geschluckt und unser Hormonhaushalt ist völlig im Eimer, und ehrlich gesagt finde ich es immer noch faszinierend, dass überhaupt jemand auf natürliche Art und Weise schwanger wird bei all den Komplikationen, die es so geben kann.

Neugier ist ein schlechter Gesprächsleitfaden

Ich selbst frage mich: Warum interessiert das Thema so brennend? Natürlich ist es schön, wenn die Kinder im Freundeskreis der Erwachsenen ebenfalls Spielkameraden haben. Aber diese lassen sich nun mal nicht herdiskutieren. Entweder die eigenen Freunde haben Kinder oder eben nicht.

Manches Paar im Freundeskreis geht offen mit den Problemen um. Andere möchten die Thematik nur zu zweit besprechen. So oder so: Auf das eigene Leben hat das keinen Einfluss. Warum also diese Fragerei? Eigentlich geht es doch hier nur darum, die eigene Neugier zu befriedigen. Und das scheint mir nun wirklich kein ausreichender Grund dafür zu sein, jemandem ein unangenehmes Gespräch aufs Auge zu drücken. Wir sollten uns also alle an die eigene Nase fassen und prüfen, wie wichtig uns eine Frage wirklich ist, bevor wir sie möglicherweise unbedacht stellen und damit jemanden verletzen.

Mehr zu meiner Co-Autorin für diesen Beitrag:

Inka, alias Knitterfee twittert und bloggt über ihren Kinderwunsch und schreibt immer wieder über den psychischen Druck der beim Warten auf die Schwangerschaft entsteht. Ich empfehle ihre Texte sowohl „Betroffenen“ als auch allen anderen Eltern. Denn das Verständnis für die Lebenssituation anderer Menschen halte ich für eine sehr wichtige Qualifikation für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Zum Einstieg: Kinderwunsch: Behandlung geheim halten – oder nicht?

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

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