Ein Rucksack voll Familie

Buchtitel: Familie im Gebäck von Rosa Rechtsteiner

Familie im Gebäck von Rosa Rechtsteiner

Es kommt nicht oft vor, dass die Bücher, die ich für HausHofKind lese mich so sehr beschäftigen. Bei „Familie im Gepäck“ von Rosa Rechtsteiner war es aber so. Dieses Buch ist wirklich krasser Stoff, denn ich wette, dass man beim Lesen höchstens bis zur Hälfte kommt, bevor man eine große Selbsterkenntnis erlebt.

Rechtsteiner beschreibt die von ihr entwickelte Therapieform als Genogrammarbeit, die sie mit Kinesiologie kombiniert. Wenn Menschen mit scheinbar unklaren Problemen (Prüfungsangst, Fremdgehen, berufliche Unzufriedenheit, …) in die Therapie kommen, dann betrachtet sie, zusammen mit den Klienten, deren Vorfahren. Da wird dann auf Berufe, Beziehungen und Krankheiten geschaut, die die Eltern, Großeltern und Urgroßeltern hatten. Oft stellen sich dann erstaunliche Parallelen heraus, manchmal krasse Gegenteile und oft auch eine Art Aufarbeitung oder ein Ausgleich zu den Taten längst verstorbener Familienmitglieder.

Da ist zum Beispiel der Mann, der sein Leben lang besessen ist von Geschichte und sich sehr um darum bemüht, Schülern in seinem Museum das 3. Reich zu erklären. Durch die Genogrammarbeit stellt sich heraus, dass sein Opa ein glühender Nationalsozialist war und der Enkel unterbewusst versucht, diese Schande auszugleichen. Durch die Aufarbeitung in der Therapie löst sich diese unbewusste Schuld und der Klient kann sich beruflich neu entwickeln und freier sein Leben gestalten – was er schlussendlich auch tut.

Viele Beispiele drehen sich auch darum, dass Menschen unbewusst ihren eigenen Erfolg sabotieren – sei es nun in beruflicher Hinsicht oder in Bezug auf eine glückliche Partnerschaft. Hier zeigt sich bei genauerer Betrachtung oft, dass eine lange Tradition der genügsamen Angestellten oder der geschiedenen Ehen vorliegt. Die Betroffenen tun dann alles dafür, die Zugehörigkeit zur eigenen Sippe nicht zu gefährden und versagen lieber kurz vor dem Abschluss, anstatt die erste Frau der Familie zu sein, die ein Studium vorweisen kann. Natürlich immer unterbewusst.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder Leser hier früher oder später einen großen Aha-Moment erlebt. Man muss warscheinlich nicht lange suchen, um Zusammenhänge mit den eigenen Altvorderen zu finden.

Trotzdem ist „Familie im Gepäck“ kein Buch zur Selbsttherapie. Zwar gibt es einige Übungen, die führen aber eher dazu, dass meine eine heiße Spur im eigenen Leben entdeckt. Ich denke, dass es Frau Rechtsteiner vielmehr ein Anliegen ist, diese Form der Therapie vorzustellen und so Betroffenen einen weiteren Ansatzpunkt zur Lösung ihres Problems zu zeigen. Ich sage: das ist ihr gelungen. Große Leseempfehlung!

Das Buch Familie im Gepäck ist bei Patmos erschienen. Es umfasst 176 Seiten und kostet 14,99 €. Wir danken dem Verlag für die Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplares.

Leseprobe


Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

Kommentare

  1. […] Familie im Gepäck von Rosa Rechtsteiner […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.