Die Elternsprechstunde – ein anthroposophischer Erziehungsratgeber

Ratgeber für Erziehungsfragen: Die Elternsprechstunde

Ratgeber für Erziehungsfragen: Die Elternsprechstunde

Mit 450 Seiten ist die Elternsprechstunde ein richtiger Ziegelstein im Vergleich zu den Erziehungsratgebern, die ich sonst so lese. Aber ich habe mir nun mal vorgenommen, ein Buch immer stets vollständig zu lesen, bevor ich es bespreche. Daher musstet ihr nun eine Weile darauf warten.

Aus dem Stapel meiner Rezensionsexemplare habe ich mir die Elternsprechstunde nun herausgegrfiffen, weil ich mich jetzt lange Zeit mit Babys beschäftigt habe. Dabei sind Kindergartenkinder in ihren Entwicklungsstufen mindestens genauso spannend. Doch eigentlich finden in der Elternsprechstunde alle Eltern Hilfe, geht es in diesem Ratgeber doch eher um ganz große Themen der Erziehung. Zum Beispiel:

  • Vaterrolle
  • Alleinerziehende
  • Angst
  • Nonverbale Erziehung
  • Agression
  • ADHS

Das Buch hat einen interessanten Aufbau. Die Kinderärztin Dr. med. Michaela Glöckler hat Vorträge für Eltern gehalten, die sich mit jeweils ganz engen Themen befassen. Im Anschluss an jeden Vortrag gab es eine Fragerunde. Diese Veranstaltungen wurden später in Schriftform gebracht und bilden nun die Grundlage für diesen Elternratgeber. Die einzelnen Themen werden, so finde ich, sehr präzise dargelegt. So gibt es zunächst einen eher wissenschaftlichen Vortrag und dann zu jedem Kapitel die Fragen der Eltern, wodurch das Thema noch einmal in die Perspektive des Alltags von Familien und Erziehung gerückt wird. Ich habe das Gefühl, dadurch die verschiedenen Ideen und Erklärungen besser verstanden zu haben.

Elternsprechstunde: Themen aus dem Erziehungsratgeber

Elternsprechstunde: Themen aus dem Erziehungsratgeber

Manche Kapitel haben sperrige Überschriften, das braucht einen aber nicht unbedingt abzuschrecken. Es kam aber schon hin und wieder vor, dass ich ganze Absätze nicht verstanden habe. Große Probleme hatte ich zum Beispiel bei dem Kapitel „Die Zusammenhänge zwischen der Denktätigkeit und der Regenerations- und Wachstumstätigkeit des Organismus“ was aber auch daran liegen kann, dass ich nach langen Tagen mit zwei Kleinkindern nach diesem Buch gegriffen habe und mir teilweise schon die Augen zugefallen sind beim Lesen…

Es gibt in der Elternsprechstunde ganz viele Aspekte und Anregungen über die man lange nachdenken kann. Einige davon hab ich hier mal kurz zusammengeschrieben, damit ihr eine Vorstellung davon habt, welche gedanklichen Räume dieses Buch öffnet:

  • Wie wichtig gute Gewohnheiten sind. Essens- und Schlafenszeiten sollten sich abwechseln und klar getrennt sein. Das ist während der Kindheit gut für die Entwicklung der Organe und fördert dadurch die Resilienz.
  • Gedanken zum Umgang mit Angst in verschiedenen Altersstufen.
  • Wie sich das Gewissen bildet und wie Eltern und Bezugspersonen dabei behilflich sein können dieses zu formen. Konsequenzen tragen statt Strafen absitzen ist hier ein wichtiger Baustein.
  • Das Kapitel über Nonverbale Erziehung hat mich am meisten beschäftigt und auch eine interessante Debatte über Erziehung mit meinem Mann angeregt.

Wer diesem Blog schon eine Weile folgt weiß, dass mich die Pränataldiagnostik sehr beschäftigt. Doch eigentlich geht es mir eher um die sich daran anschließende Frage nach Behinderung und deren möglichem Sinn. Dieses Thema wird auch in der Elternsprechstunde an verschiedenen Stellen besprochen. Doch geht es hier eher um den großen Kontext von Wiedergeburt und darum, im Laufe der verschiedenen Leben auf dieser Welt eine Reifung der Seele zu erleben. Ich kann nur vermuten, dass diese Gedanken für Eltern behinderter Kinder tröstlich sein könnten, möchte mir dahingehend aber keine Prognose anmaßen. Ich glaube jedoch für mich selbst in diesem Buch eine Erklärung dafür gefunden zu haben, warum ich nie Angst davor hatte, ein behindertes Kind zu bekommen.

Ihr seht: Die Elternsprechstunde ist nicht zum „weglesen“ geeignet. Das ist ein Nachschlagewerk oder ein Buch für lange Mußestunden. Ich könnte mir vorstellen, dass man dieses Buch Eltern gibt, die am Bett ihres Kindes wachen.

Ich selbst bin Waldorfschüler und habe einen groben Überblick über die Ideen der Anthroposophie. Wer davon noch nie etwas gehört hat, der könnte sich mit den Kapiteln über Engel oder Wiedergeburt schwer tun. Doch ich denke, dass hier ein Enblick in neue Gedankenwelten auch als Bereicherung betrachtet werden kann.

Die Elternsprechstunde von Dr. med. Michaela Glöckler ist im Verlag Urachhaus erschienen und kostet 25,00€. Wir danken dem Verlag für die Bereitstellung eines kostenfreien Rezensionsexemplares.

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

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