Das bleibt in der Familie

Von Liebe, Loyalität und uralten Lasten

Ratgeber zur Genogrammarbeit

Ratgeber zur Genogrammarbeit

Sandra Konrad ist eine Paar- und Familientherapeutin mit eigener Praxis in Hamburg. In Ihrem Buch „Das bleibt in der Familie“ berichtet sie von Fällen transgenerationaler Vererbung. Sie erzählt dabei von ihren Klienten und deren Familien. Diese kommen einzeln, als Paar oder mit ihren Eltern zusammen in die Therapie.

In diesen Sitzungen geht es darum, wie man alte Muster entdeckt, die sich in der Familie fortsetzen und sich die eigene Rolle im Zusammenspiel von Erwartung, Erfahrung und Loyalität bewusst macht.

Die Blickwinkel sind so vielfältig wie die Menschen, die zu Konrad in die Praxis kommen. Die einen beschäftigen sich mit dem Führungsstil im Familienunternehmen, die anderen mit den Nachwirkungen von Holocaust-Erfahrungen von Familienmitgliedern und die nächste Familie mit dem Umgang mit Geld, den die Kinder unbewusst von den Eltern übernommen haben.

Immer wieder erfährt man als Leser, was für eine große Last von den Schultern der Klienten abfällt, wenn sie verstehen, dass ihr eigenes Verhalten – sei es nun destruktiv, depressiv, aggressiv oder wie auch immer – nicht durch ihr eigenes „Verschulden“ entstanden ist, sondern dass es sich um alte Muster handelt, die über Generationen hinweg in der Familie weitergegeben werden.

Als Mutter haben mich vor allem die Berichte interessiert, die sich mit der Geschwister-Rangfolge beschäftigen. So wird zum Beispiel der Umgang damit analysiert, dass ein Mädchen geboren wurde, obwohl ein Stammhalter erwartet wurde. Interessant ist auch die Familie, in der sich zwei Schwestern um die dritte und ihr verwarlostes Kind kümmern und damit eine Ungerechtigkeit aus vorhergehenden Generationen wieder ausgleichen.

Zwar glaube ich nicht daran, dass es nie zu spät ist, eine glückliche Kindheit zu haben. Aber ich glaube daran, dass es nie zu spät ist, sich aus der Vergangenheit zu lösen und und die Zukunft bewusst anders zu gestalten.

Das bleibt in der Familie, Seite 285

Das ganze Buch ist sehr leicht lesbar. Sandra Konrad kündigt im Vorwort an, bewusst auf Fachbegriffe zu verzichten. Ich denke, sie tut das, um die Hemmschwelle beim Leser zu senken, damit möglichst viele Leute Zugang zu diesem Erfahrungsschatz bekommen.

Ich halte dieses Buch für sehr Lesenswert und möchte es wärmstens empfehlen. Teilweise sind die Berichte so spannend, dass man wie in einem Krimi schnell auf die nächste Seite blättert. Dann wiederum bleibt man nachdenklich zurück, weil man Parallelen zur eigenen Familie erkennt.

Zur Selbsttherapie taugt „Das bleibt in der Familie“ sicher nicht, obwohl am Ende des Buches einige interessante Fragen aufgeworfen werden, mit denen sich jeder Leser beschäftigen kann. Ich denke, dass „Das bleibt in der Familie“ als Anregung dienen kann, sich mit der eigenen Familiengeschichte zu befassen. Tauchen dann wirklich negative Muster und Verhaltenswisen auf, sollte man sich unbedingt an einen entsprechend ausgebildeten Therapeuten oder eine Therapeutin werden.

Das Buch „Das bleibt in der Familie“ von Sandra Konrad ist bei PIPER erschienen. Es umfasst 304 Seiten und kostet 19,99€. Mehr über Sandra Konrad und Ihre therapeutische Arbeit finden Sie hier.

Passend zu diesem Thema möchten wir auch die folgenden Rezensionen in unserem Blog empfehlen:

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

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