Baby Led Weaning

Mama und Baby

Mama und Baby

Heute hat Hanna für uns einen Gastartikel zum Thema Baby Led Weaning. Sie erklärt uns, wie die breifreie Beikosteinführung funktioniert und räumt mit einigen Vorurteilen auf. Hanna ist irgendwas in den 30ern und bloggt seit ihrer Schwangerschaft mit dem Rubbelbatz (19 Monate) auf dem gleichnamigen Familienblog. Auf facebook findet ihr Hannah hier zu Rubbelbatz und hier zu Baby Led Weaning.

Baby Led Weaning für Anfänger

Baby Led Weaning – ein Begriff, der mittlerweile fast in aller Munde ist und sich auf den ersten Blick recht kompliziert anhört. „Breifrei“ macht das Konzept etwas verständlicher, kann jedoch auch irreführend sein. Auf den zweiten Blick ist das Ganze jedoch gar nicht so kompliziert – das werdet ihr gleich sehen.

Was ist Baby Led Weaning?

Das Englische Wort „Weaning“ meint die Entwöhnung des Babys von der reinen Milchnahrung und die Gewöhnung an andere, feste Nahrungsmittel. Anders als beim Füttern mit Brei wird dieser Prozess bei BLW allerdings nicht von den Eltern bestimmt, sondern Zeitpunkt, Geschwindigkeit und Wahl der Lebensmittel werden dem Baby überlassen. Das ist mit „Baby Led“ (dt. „vom Baby geleitet“) gemeint.
Wenn ein Baby etwa 6 Monate alt ist und die Eltern, dass es bereit für Beikost ist, bieten sie ihm erstmals Nahrung als Fingerfood an. Das heißt, das Baby darf eigenständig davon nehmen und zum Mund führen. Natürlich steht dadurch anfangs das Entdecken und Spielen mit den Nahrungsmitteln im Vordergrund. Erst allmählich lernt ein Kind, diese auch zu zerkleinern und zu schlucken. Dadurch dauert die Umstellung auf feste Nahrung mit der breifreien Methode meist viel länger. Dafür isst ein Kind auch nur, wenn es wirklich bereit dazu ist. Manche Babys brauchen einfach länger, bis sich das Verdauungssystem umstellt und sie auch sonst bereit sind, auf Milch zu verzichten.

Was essen Kinder bei Baby Led Weaning?

Gegessen wird klassisch, „was auf den Tisch kommt“. Das heißt, bis auf einige Ausnahmen, darf das Baby essen, was alle essen. Nicht auf dem Teller eines Babys landen sollten:

  • Salz
  • Zucker
  • Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, Farbstoffe
  • Honig und Ahornsirup
  • Rohe Eier, roher Fisch, rohes Fleisch
  • Koffein, Teein, Alkohol

Wichtig ist nur, dass die Mahlzeiten nicht zu heiß serviert werden und dass die Portionen in handgerechte Stücke geschnitten sind, sodass das Baby sie gut greifen und zum Mund führen kann. Suppen und Breis sind deshalb anfangs noch ungeeignet. Erst, wenn ein Kind anfängt, mit dem Löffel zu experimentieren, kann man auch Nahrungsmittel als Brei (z.B. Grießbrei, Joghurt, Fruchtmus) anbieten. Ganz „breifrei“ ist BLW also nicht – es verzichtet nur auf das Füttern von Brei.

Ist das nicht eine riesen Sauerei?

Ja. Das lässt sich nicht bestreiten. Kein Baby kommt mit perfekten Tischmanieren zur Welt. Als Eltern müssen wir uns also auf etwas mehr putzen einstellen bzw. Kind und Umgebung so präparieren, dass sie schnell wieder sauber werden: Hochstuhl mit Esstablett, Ärmellätzchen, Abwaschbare Tischdecke auf dem Boden.

Baby Led Weaning

Baby Led Weaning

Ansonsten machen auch Kinder, die anfangs mit Brei gefüttert wurden, irgendwann viel Dreck beim Essen. Jedes Kind möchte das, was es zu sich nimmt, genau untersuchen und kennen lernen. Das ist eine wichtige Erfahrung – die Breikinder eben später machen.

Ist das nicht gefährlich?

Häufig bekommt man den Eindruck vermittelt, ein Baby sei noch nicht in der Lage, andere Nahrung als Brei zu schlucken und zu verdauen. Das stimmt nicht. Wenn man ihnen die geeigneten Nahrungsmittel zur Verfügung stellt, lernen sie schnell, diese mit den Zähnen oder Kieferknochen zu zerkleinern, im Mund zurechtzuschieben und zu schlucken, wenn sie klein genug sind. Auch diesen Lernprozess muss jedes Kind durchmachen, egal wann.

Eine weit verbreitete Angst ist die vor dem Verschlucken. Überall wird gewarnt, dass Babys und Kleinkinder Kleinteile oder Nahrungsbrocken einatmen / verschlucken und daran ersticken könnten. Diese Gefahr besteht natürlich wirklich – hat aber nichts mit Baby Led Weaning zu tun. Denn obwohl viele denken, dass die Gefahr, dass ein Baby erstickt, dabei größer wäre, ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall:

Alle Menschen haben für diesen Fall eine Art natürlichen Schutzreflex: Wenn etwas zu großes zu weit nach hinten gelangt im Mundraum, wird ein Würgereiz ausgelöst. Wenn schon etwas in der Luft- oder Speiseröhre steckt, wird es durch Husten oder im Notfall Erbrechen wieder hervorgeholt. All diese Vorgänge kann man bei einem Baby, das mit dem Essen beginnt, beobachten. Das bedeutet nicht, dass es zu ersticken droht – das bedeutet lediglich, dass die natürlichen Schutzreflexe funktionieren. Bei einem kleinen Baby ist der Punkt, an dem diese Reflexe ausgelöst werden, noch viel weiter vorne als bei Erwachsenen. Das heißt, je früher ein Baby mit dem Essen beginnt, desto besser ist es geschützt. Nach einigen Malen haben die meisten Kinder heraus, wie sie den Speisebrei im Mund bewegen müssen, damit er nicht zu weit nach hinten gerät.

Was für Vorteile hat Baby Led Weaning?

Eltern, die ihren Kindern diese Art der Beikosteinführung ermöglichen, haben dafür viele gute Gründe. Denn BLW berücksichtigt nicht nur die natürliche Reife und das Tempo der Kinder, es entspricht auch dem natürlichen Lerntrieb. Denn wie bei so vielen Dingen gibt es auch beim Essen keine Notwendigkeit, den Kindern etwas „beizubringen“. Lernen findet ganz natürlich durch Ausprobieren und Nachahmen statt.

Bei BLW dürfen die Babys Essen mit allen Sinnen erfahren: Geschmack, Geruch, Farbe, Form und Konsistenz unterscheiden sich von Lebensmittel zu Lebensmittel. Weil das auch einfach Spaß macht, experimentieren BLW-Kinder viel und lernen verschiedene Nahrungsmittel kennen. Welche ihnen schmecken und welche nicht, dürfen sie selbst entscheiden.

Auch wann sie satt sind, oder ob sie überhaupt hungrig sind, ist ihnen überlassen. Das natürliche Sättigungsgefühl ist auch für Erwachsene noch ein wichtiges Thema und verhindert häufig Übergewicht.
Und nicht zuletzt ist BLW für alle beteiligten ein schönes, stressfreies Erlebnis: Das Baby darf einfach mit am Familientisch sitzen. Niemand muss Brei kaufen bzw. einkochen und es gesondert füttern und das Kind fühlt sich von Anfang an als gleichwertiges Mitglied der Familie. Einer Familie, in der Essen etwas Schönes, Lustiges und vor allem Freiwilliges ist.

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