Trennungsangst vor dem Kindergarten: von Heulanfällen auf dem Parkplatz (und wie man sie überwindet)

Gastartikel von Dr. Katja Heumader

Meine Tochter ist dreieinhalb und geht seit September in den Kindergarten. Keine große Sache, dachte ich noch in den Sommerferien. Schließlich war sie zuvor bereits in eine Kinderkrippe gegangen. Dort hatten wir nie mit Trennungsangst zu kämpfen. Ganz im Gegenteil: Am Wochenende heulte sie regelmäßig, weil sie „traurig war, dass keine Kinderkrippe ist“.

Der morgendliche Stress

Leider hatte ich mich da verschätzt. Mit der neuen Einrichtung, in der sie nicht mehr zu den „Großen“, sondern plötzlich wieder zu den „Kleinen“ gehörte, mit neuen Erzieherinnen und viel mehr Kindern, kam auch die Trennungsangst. Die erste Woche lief noch völlig problemlos: „Tschüß Mama“ und weg war sie. Dann ging es los: Morgens mussten mir die Kindergärtnerinnen das schreiende Kind vom Hals reißen. Abends weinte sie im Bett, weil sie nicht in den Kindergarten wollte.

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Auf meine Nachfragen versicherten mir die Erzieherinnen stets, dass unsere Tochter sich im Kindergarten wohlfühle, sich an Spielen und Singen rege beteilige und im Allgemeinen den Eindruck erwecke, dass sie Spaß habe und lustig sei. Trotzdem: Der morgendliche Stress wog die freien Vormittage kaum auf. Wir haderten mit uns, ob wir sie einfach wieder aus dem Kindergarten nehmen sollten. Schließlich setzten wir uns selbst eine Frist: Bis Weihnachten würden wir es probieren. Wenn die Trennungsangst sich bis dahin nicht massiv gebessert hätte, hätten wir sie abgemeldet.

Entspannung nach ein paar Wochen

Glücklicherweise entspannte sich die Situation nach etwa zwei Wochen deutlich. Zwar gab es morgens an drei von fünf Tagen immer noch die Äußerung „Ich mag nicht in den Kindergarten.“ Aber das war alles. Bis zum Ultimatum Weihnachtsferien war auch das längst vorbei. Mittlerweile hat unsere Tochter Freunde im Kindergarten gefunden und fühlt sich wohl dort. Sie hat gelernt, mit Konflikten umzugehen, die im Kindergarten wesentlich häufiger aufkommen als in der Krippe. Und mit denen die Kindern viel stärker selbst zurechtkommen müssen – ohne die Hilfe der Erzieherinnen. Eine ungewohnte Situation, mit der unsere Tochter zunächst noch überfordert war.

Trennungsangst überwinden: Ein paar Tipps

Für Eltern, die möchten (oder darauf angewiesen sind), dass ihr Kind in den Kindergarten geht, obwohl sich anfänglich Trennungsangst zeigt, habe ich ein paar Tipps:

  1. Versichert Eurem Kind, dass es sich darauf verlassen kann, dass Ihr es pünktlich abholt. Z.B. so: „Das ist ein Kindergarten und kein Mamagarten. Mamas wollen die hier gar nicht haben. Aber Du kannst Dir sicher sein, dass ich Dich heute Mittag als allererste abhole.“
  2. Verabschiedet Euch schnell und liebevoll. Hausschuhe anziehen, Kuss geben, Tschüß. Wenn man das Kind ewig festhält und tränenreich drückt, bekommt es nicht das Gefühl, dass die Mutter oder der Vater wirklich überzeugt ist, dass der Kindergarten eine gute Sache ist.
  3. Nehmt keinesfalls das schreiende Kind wieder mit nach Hause. Das Kind lernt sonst: „Ich muss nur schreien, dann kann ich wieder mit nach Hause.“ Das führt dazu, dass sich das Problem hochschaukelt. Meist helfen die Erzieherinnen mit Ablenkung, indem sie das Kind an der Türe in Empfang nehmen und gleich in eine Aktion einbinden. Besser ist es, das Kind in den ersten Tagen eine oder zwei Stunden früher abzuholen, damit der Tag nicht so lang ist. Man darf nicht vergessen, dass Kindergarten (auch) Stress bedeutet.

Und natürlich: Immer in Kontakt bleiben mit den Erzieherinnen! Meist ist es nämlich tatsächlich so, dass alles okay ist, sobald Mama oder Papa zur Türe raus sind. Mittags geht es dann nämlich umgekehrt: „Ich wollte aber noch mit der Lucia spielen! Ich will noch nicht nach Hause!“

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