Familie mit Stiefmutter

Ich tippe jetzt zum dritten Mal die Einleitung zu diesem Blogartikel. Es spricht Bände, dass es mir so schwer fällt, etwas über das Thema Stiefmutter zu schreiben. Das zeigt, wie belastet und kompliziert diese Thematik auch in meinem Kopf ist.

Stiefmutter Ratgeber

Ein Buch für Stiefmütter von der Journalistin Susanne Petermann

Beim Lesen dieses Buches dachte ich immer nur an meine eigene, kleine Familie mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn und habe mir vorgestellt, wie ich es aushalten könnte, irgendwann durch eine andere Frau ersetzt zu werden und wie ich mich mit dieser neuen Partnerin meines Mannes arrangieren könnte. Aber diese Gedanken waren sehr schwierig – schließlich haben wir erst vor wenigen Wochen geheiratet.

Erst als ich das Buch weggelegt habe, ist mir eingefallen, dass ich selbst auch mal eine Stiefmutter hatte. Meine Eltern hatten sich getrennt und mein Vater hat neu geheiratet. Damals war ich etwa 10 Jahre alt. Unser Verhältnis war, soweit ich das beurteilen kann, ehrlich konfliktfrei, aber eben auch nie wirklich herzlich. Als ich etwa 20 Jahre alt war ist mein Vater verstorben und der Kontakt mit meiner Stiefmutter ist weitgehend abgerissen.

Seltsam, dass ich daran nicht gleich gedacht hatte. Aber damals verwendete auch niemand den Begriff „Stiefmutter“. Das war eben „die neue Frau meines Vaters“. Ich dachte eigentlich immer, dass man erst zur Stiefmutter wird, wenn die „echte“ Mutter stirbt – so war das doch immer im Märchen, oder?

Über das Leben als Stiefmutter

Der Diana Verlag hat mir dieses Buch zur Rezension angeboten, weil die Mitarbeiter dort der Meinung waren, es könnte gut zu unserem Blog passen. Das freut mich sehr, denn wir sind sehr darum bemüht Toleranz und Vielfalt zu zeigen. Die große Verschiedenheit der Familienformen gehört da unbedingt dazu!

Worum geht es nun also in „Du hast mir gar nichts zu sagen – Stiefmutter sein ist nichts für Feiglinge“ von Susanne Petermann? Nun, zunächst ist das einfach ein Sammelband, der die unterschiedlichen Geschichten von Stiefmüttern und allen anderen Frauen sammelt, die an einer Stiefmutter-Familienkonstellation beteiligt sind: Töchter, Mütter, Exfrauen…

Ich sage es gleich: Das Buch ist harter Tobak. Vor allem für eine frisch verheiratete Mama, wie ich es gerade bin. Denn die Geschichten sind einfach unfassbar traurig. Es geht um Macht, Habgier und Hass. Um alles, was ein guter Krimi so braucht. Frauen können so unfassbar grausam sein. Das wissen wir eigentlich schon. Aber wenn diese Grausamkeit durch die Vorurteile in der Gesellschaft und durch die Regelungen im Familienrecht noch gefördert wird, dann bleibt nicht mehr viel außer Wut.

Dieses Buch richtet sich vor allem gegen die stille Wut und den unterdrückten Zorn der Stiefmütter. Denn sie werden oft für alle Familienkonflikte verantwortlich gemacht und dürfen sich dagegen nicht wehren. Das erzeugt eine Sprachlosigkeit durch die sich nur noch mehr Konflikte aufstauen – obwohl sicher auch einige gelöst werden könnten.

Susanne Petermann ruft dazu auf, dass sich Stiefmütter mit anderen Stiefmüttern verbünden. Sie empfiehlt die Nutzung von Internetforen, von Selbsthilfegruppen und den Austausch mit anderen. Sie gibt außerdem Tipps für den Umgang mit verschiedenen Situationen und auch immer wieder gute Informationen zur Gesetzeslage.

Ich selbst möchte hinzufügen, was wir anderen „normalen“ Mütter tun können: Vorurteile einfach mal stecken lassen. Am Spielplatz dumme Kommentare verkneifen und absolut, wahnsinnig, total vorsichtig damit sein, irgendwelche Schuldzuweisungen auszusprechen, anzudeuten oder auch nur zwischen den Zeilen zu verstecken. Die Probleme von „Stiefmutter-Familien“ sind so komplex, die kann man nicht während einem Friseurbesuch oder an der Supermarktkasse begreifen und beurteilen. Wir sollten gute und aufmerksame Freundinnen sein und uns davor hüten, die Probleme noch zu vergrößern.

Stiefmutter sein ist nichts für Feiglinge Klick um zu Tweeten
Wer mehr zu dem Thema erfahren möchte oder Kontakt zu anderen "Vizemüttern" sucht, dem sei der Stiefmutterblog der Autorin Susanne Petermann empfohlen.
Wir haben vom Diana Verlag (Verlagsgruppe Randomhouse) ein kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten. Das Buch "Du hast mir gar nichts zu sagen" von Susanne Petermann umfasst 240 Seiten und kostet 14,99 €. Es ist im April 2015 erschienen.

Leseprobe

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

Kommentare

  1. Ilona Resch sagt: August 24, 2015 at 10:01 am

    Danke für diese Rezension, liebe Frau Figas.
    Das haben sie wunderbar und sehr einfühlsam geschrieben.
    Stiefmutter wird Frau auch ganz einfach so wie ich. Die Mutter kommt mit dem Kind nicht mehr klar und gibt es ab, wohl in dem Wissen, das es die neue Frau vom Vater aufziehen wird.
    Folgen für mich: siehe Buch…das volle Programm. Und ich wusste nicht warum und was da mit mir passiert.
    Seit es den Stiefmutterblog von Susanne Petermann gibt und auch dieses Buch,habe ich festgestellt ich bin ja garnicht alleine. Ich bin aktiv geworden.
    Heute leite ich eine Selbsthilfegruppe für Stiefmütter. Mache in Zeitschriften und Fernsehen auf unsere Probleme aufmerksam und versuche ein Umdenken der Mütter auf ein Miteinander und kein Gegeneinander zu bewirken.

    • Danke für das Kompliment! Ich werde mein Exemplar des Buches einer Freundin schenken, die selbst ganz frisch in dieser Rolle steckt – vielleicht lässt sich dadurch die eine oder andere Situation schon im Vorfeld entschärfen. Ich freue mich, dass Ihnen der Austausch mit anderen so gut getan hat und finde es ganz wunderbar, dass sie auch selbst aktiv geworden sind. Solche Frauen braucht das Land 🙂 Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute!

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