Die #Smartphonemütter – ein Rückblick

Heute möchte ich Euch davon erzählen, welche Reaktionen ich auf meinen Artikel Wir bösen, bösen Mütter erhalten habe. Denn der Text wurde vom Bayerischen Rundfunk (Bayern2 Radio) aufgegriffen und von der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Beiden habe ich ein Interview gegeben.

Bayern2 Radio Smartphonemütter

Bayern2 Radio Smartphonemütter

Am Montag den 20. März wurde der Radiobeitrag (in der Sendung Bayern2 Notizbuch) gesendet. Hier waren hauptsächlich O-Töne von Befürwortern der Kampagne zu hören und ich als Außenseiter mit einigen Argumenten. Diskutiert wurde der Beitrag auf der Facebook-Seite von Bayern2 Radio.

Augsburger Allgemeine Zeitung: Mutter ärgert sich über Handy-Plakate des Landkreises

Augsburger Allgemeine Zeitung: Mutter ärgert sich über Handy-Plakate des Landkreises

Die Augsburger Allgemeine legte am Nachmittag mit einem Online-Artikel nach (Mutter ärgert sich über Handy-Plakate des Landratsamtes) und am Dienstag den 21. März erschien der Text dann auch in der Printausgabe. Die Redakteurin Ina Kresse hat es geschafft, die vielen verschiedenen Argumente, die ich angebracht hatte, darzustellen. Ich finde diesen Artikel sehr gelungen! Außerdem freue ich mich über die tollen Fotos, die Jakob Stadler von der AZ von mir und meiner kleinen Tochter geschossen hat. Die kommen ins Familienalbum!

Die Rückmeldungen

Nachdem ich unter meinem ersten Facebook-Kommentar auf der Fanseite der BR-Sendung quer bereits viele negative Kommentare eingesteckt habe, wusste ich in etwa, auf welche Reaktionen ich mich einstellen muss. Es gab im wesentlichen 4 Kategorien von Kommentaren.

Zustimmung

Es hat mich nicht weiter überrascht, dass aus dem privaten Umfeld und aus meiner Filterblase hauptsächlich Zustimmung kam. Wir sind nun mal eine Clique, deren Meinung in vielen Punkten übereinstimmt. Vor allem im persönlichen Kontakt und in Gesprächen habe ich viel Rückhalt erfahren. Das könnte auch daran liegen, dass meine Freunde jeden Tag sehen und erleben, dass ich eben keine smartphonesüchtige Abhängige bin, sondern einen vernünftigen Umgang mit dieser Technologie gefunden habe.

Mein persönlicher Held ist Rudolf D.

Kommentar von Rudolf D. auf der Webseite der Augsburger Allgemeinen

Kommentar von Rudolf D. auf der Webseite der Augsburger Allgemeinen

Früher ging es auch ohne Handy

Das Argument, dass man es früher ja auch ohne Handy (Thermomix, Trockner, whatever) geschafft hat, seine Kinder großzubekommen, kam häufig. Ich denke mir: Stimmt, denn sonst wäre die Menschheit ja ausgestorben.

Aber im Ernst: Fallt doch nicht darauf herein! Die Existenz von Smartphones ist doch nicht das einzige, das sich seit den 50er Jahren in unserem Alltag verändert hat. Doch genau das ist die Annahme, die dieser Plakataktion zugrunde liegt.

Die gesellschaftlichen (und globalen) Veränderungen der letzten 30 (plus x) Jahre sind enorm. Die ganze Tragweite kann ich im Rahmen dieses Textes unmöglich erfassen (etliche Sozialforscher arbeiten sich seit vielen Jahren daran ab). Doch ich möchte einige Stichpunkte nennen:

  • Globalisierung
  • Demografischer Wandel
  • Arbeitsmarkt
  • Familienrecht

Das sind große Begriffe, doch sie haben einen unmittelbare Auswirkung auf jeden einzelnen von uns. Das muss nicht jeder erfassen. Doch das Herumhacken auf Leuten, die sich damit befassen, bringt uns als Gesellschaft eben auch nicht weiter.

Zeitverschwendung

Wer Zeit hat, sich über „die paar Plakate“ aufzuregen, dem ist ja wohl langweilig. Das war der Tenor in einigen Kommentaren sowohl hier im Blog als auch auf Facebook. Noch eine viel größere Zeitverschwendung ist es (meiner Meinung nach) dieses „Argument“ langatmig in das Kommentarfeld zu tippen. Im Übrigen: Wofür ich mir Zeit nehme und wofür nicht, ist meine private Angelegenheit. Und bevor Sie fragen: Nein, meine Kinder sind nicht verwahrlost.

Wenn Sie jammern, sollten Sie Keine Kinder bekommen

Das klassische Argument gegen Frauen, die sich über Missstände äußern. Ein kurzes Gedankenspiel dazu, wie unsere Gesellschaft aussähe, würden alle Frauen in Gebärstreik gehen, die nicht 24/7 superhappy sind, beantwortet die Frage danach, ob es sich lohnt, so eine „Argumentation“ weiter zu verfolgen.  Komplizierter Satz, ich weiß. Haters gonna hate.

Mein Fazit zu den Smartphonemüttern

Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Zum einen hatte ich meine Sicht der Dinge schon auf Facebook verkürzt dargestellt und viele seltsame Kommentare dazu bekommen. Zum anderen kenne ich den Tonfall der Leserbriefe der Leser der Augsburger Allgemeinen schon ein wenig.

Dazu kommt eine Eigenart des Internets, die vielleicht einigen Nutzern nicht so bewusst ist: Kommentiert wird hauptsächlich aus folgenden Emotionen heraus: Hass, Wut, Empörung, Angst. Die Motivation, etwas Positives zu schreiben ist einfach deutlich (!) kleiner als die, etwas Negatives zu schreiben.

Da ich „das Internet“ seit vielen Jahren zu meinem Beruf gemacht habe, wusste ich, welche Art von Reaktionen ich zu erwarten habe und habe mich entsprechend mit einer Portion Zynismus gewappnet. Dennoch geht es nicht spurlos an einem vorüber, wenn Menschen einen in die Psychiatrie schicken wollen oder den Ehemann bedauern, weil er so eine furchtbare Frau hat. Ich habe hier im Blog nicht alle Kommentare freigeschaltet. Für Beleidigungen oder für Texte, die nichts mit dem Thema zu tun haben (Danke für den Geburtsbericht und den Hass auf Autofahrer, wir haben sehr gelacht) räumen wir keinen Platz auf unserem Server ein.

Ich werde mich wieder zu Wort melden, wenn ich etwas beobachte, von dem ich glaube, das man es besser machen könnte. Und bevor jemand fragt: Ja, ich arbeite gerade an einem Text über die sinnvolle Nutzung von Smartphones im Alltag. Aber da müsst Ihr Euch noch etwas gedulden. Ich muss schließlich Windeln wechseln.

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

Kommentare

  1. Model und Mama sagt: März 23, 2017 at 10:00 am

    Hab selbst auf meinem Blog geschrieben, dass ich mich manchmal über mich selbst ärgere, wenn ich zu oft auf mein Smartphone schaue. In erster Linie wegen der News-App, die mir oft die Stimmung verdirbt. Einmal habe ich wieder was Negatives gelesen, da hat meine zweijährige Tochter mein Handy weggeschoben, ihr Gesicht mit leuchtenden blauen Augen davor geschoben und „Hallo Mama“ gerufen. Ich bin ich nicht Handy-süchtig, aber ich schaue öfter mal drauf. Das versuche ich bewusst einzuschränken. Wenn andere Mütter chatten während ihre Kinder im Sandkasten spielen stört mich das nicht. Andere lesen ein Buch oder tratschen über die Nachbarn 😉 gibt doch wirklich Schlimmeres 🙂

  2. Richtig so, Lisa

  3. Michael Smith sagt: März 23, 2017 at 11:48 pm

    Ich verstehe es immer noch nicht. Die „Ich-muss-das-jetzt-kommentieren“-Typen meine ich.
    Zu einem Kommentar lasse ich mich selten hinreißen … im Leben noch eher als online, schlicht weil mir mit Text alleine die Möglichkeit fehlt mit *Respekt* sagen zu können ‚ich bin anderer Meinung – aber ich mag Dich trotzdem‘.
    Ja, stimmt schon: Die Welt und ihre Technologie hat sich weiterentwickelt, aber offenbar leben (auch) in diesem Land immer noch 82 Millionen Experten zu *allen* Themen; vom Fußball bis zur Politik, von Kinderkriegen und -Erziehung (die Herren hier natürlich auch gaaanz weit vorn) bis zur besten Vermögensanlage und vergiss mir bloß nicht die richtige Partnerwahl (!).
    Ein „guter“ Kommentar ist, finde ich, (möglichst) kurz und sachlich, konstruktiv und nicht verletzend. Letzteres ist natürlich ganz stark vom Gegenüber abhängig. Wenn ich aber von meiner Seite her schon „gut“ nicht kann – wegen Mangel an Zeit, Sachkenntnis, Einfühlungsvermögen, etc. – lasse ich es doch sein. Schließlich würde ich mich nicht hinstellen und sagen »Schau mal! Hab ich schlecht gemacht, gell?! Mann bin ich super…«
    Es wird immer von Meinungsfreiheit gesprochen und wie arm die ganzen anderen dran sind, weil sie z.B. eine Regierung haben die dagegen arbeitet … dabei genügen schon Mitbürger, dass einem die Lust vergeht, eine Meinung zu haben. In diesem Sinne: Von mir nichts zur Sache selbst ^^ (hier ging es ja aber auch nur wenig um die Sache selbst), aber Respekt, dass Du noch sagst was Du denkst und weiterhin frohen Mut, es wieder zu tun, auch dann wenn wieder Menschen kommen denen es genügt eine schlechte Leistung abzugeben nur um etwas Lärm gemacht zu haben.

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