Nervenaufreibende Einschlafprobleme

Ja, man könnte sagen, mein Mann und ich sind die größten Versager dieser Welt. Zumindest, wenn man sich von den Kommentaren mancher anderer Eltern beeinflussen ließe: „Wie, Dein Kind schläft noch nicht durch???“ oder „Was, der schläft noch nicht alleine???“.

Lange Zeit konnte ich solche dummen Sprüche gut abschmettern und habe einfach die vielen Dinge aufgezählt, bei denen er seinen Altersgenossen schon weit voraus ist. So kann man viel Wind aus den Segeln von übereifrigen Klatschtanten nehmen. Aber als ich spürte, dass ich dem nächsten, der wieder einen Kommentar zum Schlafverhalten meines Kindes abgibt, eine Stricknadel in den Hals rammen würde, beschloss ich, dass es Zeit für einen Besuch bei der Schlafberatung war.

Das Problem mit dem Einschlafen

Schlafberatung mit Kleinkind

Hilfe, mein Kind schläft nicht ein!

Unser Sohn hat eigentlich (für unser Verständnis) gut geschlafen. Das Problem war immer nur das Einschlafen. Er ist einfach nicht zur Ruhe gekommen, hat sich immer wieder aufgebäumt, gekichert und rumgeturnt. Stundenlang lag einer von uns Eltern neben ihm im Bett, um ihn Abends zur Ruhe zu bringen. Wir wussten nie, wann wir „Feierabend“ haben würden und die gemeinsame Zeit als Paar wurde immer weniger. Denn sobald das Kind Nachts das erste mal wach wurde, musste sich einer von uns zu ihm ins Bett legen.

Mittagschlaf fand eigentlich nur noch im Kinderwagen statt. Gut, ich habe das als meinen sportlichen Ausgleich gesehen, Mittags 1,5 Stunden mit ihm spazieren zu gehen. Aber auch das war langfristig keine Lösung. Zumal ich genau darauf achten musste, dass auch ja keine Bagger oder Kräne auf unserem Weg zu sehen waren, denn da wäre er sofort wieder putzmunter gewesen: „Kraaaaaaan!“

Die Hilfe bei der Schlafberatung

Ich muss sagen, in Augsburg ist das Netz von Unterstützungen für Familien sehr engmaschig. Das liegt daran, dass wir mal lange Zeit einen fantastischen Sozialreferenten hatten, aber auch daran, dass in Augsburg alle Kirchen sehr aktiv sind (wir sind ja die Stadt des Religionsfriedens). Ich selbst bin mit meiner Einschlafproblematik in einem Familienzentrum der SOS Kinderdörfer gelandet und habe dort einen kostenlosen Beratungstermin bekommen.

Das Gespräch mit der Kinderpsychologin und Familientherapeutin war sehr anstrengend. Ich war alleine dort und musste genau erzählen, wie meine eigene Kindheit war, wie die Geburt meines Sohnes verlaufen ist und wie der Familienalltag bei uns so funktioniert. Das sind heftige Themen, wenn sie so komprimiert vor einer Fremden vorgetragen werden sollten. Aber ich musste immer an die Stricknadel denken und war sehr tapfer.

Die Diagnose der Therapeutin lautete: Unser Kind hat die Kontrolle übernommen. Es bestimmt ganz genau, wer wann an seinem Bett zu stehen hat und wie lange. Das ist für das Kind anstrengend (weil es ja eigentlich Kind sein will und sich wünscht, dass die Eltern die Richtung vorgeben) und für die Eltern anstrengend (weil es unangenehm ist, die Kontrolle zu verlieren).

Also sollte es das Ziel sein, die Familienverhältnisse wieder gerade zu rücken und klarzustellen, wer in dieser Situation (Bett, Einschlafen) der Chef ist.

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Der Weg zu besserem Familienschlaf

Wir starteten mit der Umgewöhnung an dem Abend, als die Oskars im Fernsehen übertragen wurden. Das Kind war gerade wieder gesund geworden und entsprechend fit und ich dachte mir, wenn sich das Einschlafdrama nun über Stunden hinzieht, kann ich mir zwischendurch wenigstens ein paar schöne Kleider ansehen.

Ich zog also das übliche Einschlafritual ab, achtete aber darauf, auf keinen Fall eine liegende Position neben meinem Sohn einzunehmen. Er sollte gar nicht auf die Idee kommen, dass ich es mir gemütlich mache:

  1. Zähneputzen und Ausziehen im Bad
  2. Schlafanzug anziehen im Kinderzimmer
  3. Gemeinsam die Rollos zumachen, Fenster auf zum Lüften
  4. Hinlegen, kuschelig einpacken und etwas vom Tag erzählen
  5. Fenster zu machen, daneben setzen und noch etwas singen oder summen
  6. Gutenachtkuss, rausgehen

Gesagt, getan. Da unser Kind nicht im Gitterbett liegt, kann er einfach herumlaufen. Er ist also nach kurzer Verwunderung aufgestanden und hat nach mir gesucht. Ich habe ihn wieder hingelegt und bin rausgegangen. Dieses Spiel dauerte 50 Minuten. Dann war Ruhe. Die Oskarverleihung hatte noch nicht einmal begonnen.

Am zweiten Tag hatte ich nach 10 Minuten Erfolg, am Dritten nach 5. Man kann sich vorstellen, wie verblüfft wir waren!

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Das Fazit

Es hat sich auf alle Fälle gelohnt, die Beratung in Anspruch zu nehmen. Auch wenn es natürlich schwer fällt, einer Fremden gegenüber einzugestehen, dass man (in manchen Situationen) sein Kind nicht im Griff hat.

Es ist mir wichtig, dass meine Taktik hier nicht als Vorlage für andere Kinder angewendet wird, denn es gibt noch so viele Details, auf die man achten muss. Schließlich soll das Kind bei der Umstellung auf keinen Fall leiden oder traumatisiert werden. Solltet ihr ein ähnliches Problem haben, dann schaut Euch doch mal in Eurer Stadt nach einer Beratung um. Es gibt Therapeuten, die man selbst bezahlen muss, aber eben auch viele Angebote von der Stadt oder von freien und kirchlichen Trägern. Diese sollte man unbedingt in Anspruch nehmen.

Unser Leben hat sich seither sehr verbessert. Florentin weiß jetzt nicht nur Abends, wie er alleine einschlafen kann, sondern bekommt das auch in der Nacht schon recht gut hin. Es gibt pro Woche etwa 1 oder 2 Nächte, in denen er komplett durchschläft (bzw. nicht weint). So bekommen wir selbst auch viel mehr Schlaf und haben auch wieder mehr Zeit als Paar.

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

Kommentare

  1. Hej,

    schön, dass Ihr Euren Weg gefunden habt! Ich gebe Dir ganz recht: Jeder muss seine eigene „Methode“ finden, denn jedes Kind ist anders. Ich glaube, je klarer die Eltern sind, desto einfacher ist es meist für die Kinder, da sie sich an den Erwachsenen orientieren.

    Weiterhin viel (Schlaf-)Erfolg und liebe Grüße aus dem Norden

    Küstenmami

  2. […] dass er schon beim Mittagessen fast eingeschlafen ist. Das ist wirklich untypisch. Von unseren Einschlafproblemen hatte ich ja schon mal berichtet. Zuerst verkündet er mit schwacher Stimme: „Tino […]

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