Rezension: Mami Talk

Buchbesprechung: Mami Talk

Mami Talk – Buch von Caroline Hamann und Christiane Hoffmann

Schon nach etlichen Seiten konnte ich mich kaum noch auf den Inhalt dieses Buches konzentrieren, weil ich geistig schon damit beschäftigt war, meinen Verriss zu formulieren. Ich bin sauer: Dieses Buch ist vergeudete Lesezeit!

Mami Talk ist ein Buch in Brief-Form (E-Mails). Die beiden Autorinnen Caroline und Charlotte schreiben sich über Jahre hinweg. Denn Ihre Kinder sind im gleichen Alter und die Sorgen daher ähnlich.

Es ist sehr anstrengend, den Unterhaltungen zu folgen, weil man die Personen alle so schwer auseinanderhalten kann: Caroline und Christiane sind die Mütter, eines der Kinder heißt Charlotte, die anderen beiden Valentina und Viktoria. Für eine Abends-im-Bett-Lektüre ist mir das alles zu ähnlich.

Der Inhalt ist mäßig bis mies. Die beiden Autorinnen berichten zum Beispiel über ein traumatisierendes Schlaftraining, das trotz Abraten des Kinderarztes von den Eltern über Wochen hinweg durchgezogen wird, über lange Reisen mit dauerkotzenden Kindern oder über die Materialschlacht zum Kindergeburtstag. Mir persönlich ist klar, dass es die perfekten Eltern nicht gibt. Aber wer so weit weg davon ist, wie diese beiden, dem sollte man vielleicht nicht unbedingt einen Buchvertrag anbieten.

Doch nicht genug. Jenseits der vereinzelten, brav heruntergebeteten Eltern-Weisheiten (Perfektionismus ablegen) finden sich in dem Buch Mami Talk auch jede Menge sexistische Klischees. Oh, hatte ich schon erwähnt, dass eine der Autorinnen bei der BILD arbeitet?

Hier geht es (Achtung, erstes feministisches Reizthema) um die Bikinifigur nach der Geburt und die Befürchtung, dass der eigene Mann einen nicht mehr mag. Natürlich wird im nächsten Satz gleich erwähnt, dass man ja wisse, dass man seinen eigenen Körper ja eigentlich akzeptieren und lieben soll (wow, gut aufgepasst!).

Überhaupt kommen die Männer der beiden Autorinnen herzlich schlecht weg (zweites feministisches Reizthema). Sie werden in den Himmel gelobt, wenn sie endlich mal im Haushalt mit anpacken. Was für ein Wunder, wenn einer der beiden sich mal dazu bequemt, Spiegeleier für die Kinder zu machen. Und Kommentare über den Hüftspeck der eigenen Frau scheinen in den Beziehungen der beiden Autorinnen auch Gang und Gäbe zu sein. Trotzdem werden die beiden permanent als „Göttergatten“ und „Helden“ bezeichnet. Man kann nur hoffen, dass es sich hier um stilistische Übertreibungen handelt!

Ich sage: Tipps zum Umgang mit Kindern kann man hier kaum finden. Das Buch Mami Talk dient eher der Abschreckung. Ungefähr alles, worüber hier geschrieben wird, ist irgendwie mies: Beziehung zum Partner, Kotze, Krankheiten, Essensverweigerung, Kotze, böse Menschen, die sich über Kinder aufregen, noch mehr Kotze. Mami Talk passt daher ganz hervorragend in diese Programme, mit denen man in den USA versucht, Teenagerschwangerschaften zu verhindern, indem man den jungen Mädchen einen künstlichen Babybauch umbindet oder ihnen Küken zur Pflege überlässt.

Mein Exemplar des Buches wird meine eigene Mami-Freundin Katja bekommen. Sie steht auf Trash, wie sie erst kürzlich hier im Blog beschrieben hat: RTL2 Teenie Mütter – Wenn Kinder Kinder kriegen.

PS: Ganz am Ende, auf Seite 176, habe ich tatsächlich dann noch einen hilfreichen Hinweis für die Erziehung trotzdender Kleinkinder entdeckt. Wenn das Kind einen als Eltern haut und schlägt, darf man keinesfalls sagen, dass das Weh tut, man jetzt verletzt oder traurig sei. Denn das Zeigen dieser Schwäche macht dem Kind Angst – stellt es doch fest, dass man die eigene Mutter oder den eigenen Vater so leicht „aus der Bahn werfen“ kann. Das ist natürlich nicht so gut für das Urvertrauen.

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

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