Rezension: Die Nabel der Welt

Auf meinem Schreibtisch ist wieder mal ein Buch rund um das Thema Kinderkriegen gelandet. Diesmal geht es um „Die verrücktesten Bräuche rund ums Babymachen, -kriegen und -haben“ – so der Untertitel von Die Nabel der Welt. Zusammengesucht wurden die Bräuche aus aller Welt von Nadine Luck,  die bereits als Kinderthemen-Autorin bekannt ist.

Wenn ich so ein, wir nennen es mal Sachbuch, aufschlage, frage ich mich oft schon nach wenigen Seiten, an welchen Leser sich dieses Buch richtet. Der zweite Gedanke dreht sich dann darum, wem ich dieses Exemplar schenken werde, wenn ich selbst damit durch bin und die Rezension verfasst ist.

In diesem Fall werde ich das Buch meiner Freundin Alisa schicken, die als Doula in Erding arbeitet. Sie beschäftigst sich nicht erst seit Ihrer Ausbildung zur Geburtsbegleiterin mit den dazugehörigen Bräuchen. Immer wieder hat sie mir von verschiedenen Ritualen berichtet, wie zum Beispiel dem Streicheln einer Schildkrötenskulpur für bessere Fruchtbarkeit.

Ich glaube, Alisa wird mit diesem Buch Spaß haben, denn hier werden in hohem Tempo verschiedenste Bräuche auf allen Teilen dieser Erde vorgestellt. Die chinesische Mittelstandsfamilie hat da genauso ihren Platz, wie die schwäbische Landbevölkerung und die Aboriginees aus Australien.

nabel_der_WeltDie Nabel der Welt

ist ein Buch, das sich schnell liest und das man auch öfter unterbrechen kann, ohne den Faden zu verlieren (ideal für mich als Mama, die auf dem Spielplatz liest). Ich denke deshalb, dass es zum Beispiel im Wartezimmer beim Frauenarzt oder beim Kinderarzt gut aufgehoben wäre. Eine gemütliche Bettlektüre ist dieses Werk von Nadine Luck eher nicht.

Der Inhalt ist kurzweilig. Klar. Einfach schon deshalb, weil mit dem westlichen, europäischen Blick vieles absurd erscheint, was in anderen Völkern üblich ist. Wir wissen einfach ganz genau, dass das Hüpfen über den eigenen Mann nicht die Schwangerschaftsübelkeit auf ihn überträgt. Es wäre aber schön gewesen, wenn Frau Lucke an vielen Stellen sachlicher bleibt, als sie es tatsächlich ist. Es wäre galanter gewesen, die Wertung und das Amüsement dem Leser zu überlassen und sich hier und da spitzfindige Bemerkungen zu verkneifen. Schließlich haben auch wir aufgeklärten und superschlauen Deutschen so unsere komischen Rituale. Mit welcher Begründung dürfen wir die Fruchtbarkeitsmythen anderer Völker ins Lächerliche ziehen?

Eine wichtige Erkenntnis

habe ich aber mitgenommen beim Lesen: Die meisten Ratschläge, die Schwangeren (oder noch nicht Schwangeren oder frisch entbundenen) Frauen erteilt werden sind totaler Quatsch. Bei meiner nächsten Schwangerschaft, wenn der Ratschläge-Wahnsinn wieder von vorne beginnt, werde ich mir das immer wieder vor Augen führen und das Geplapper wie ein Buddha würdevoll schweigend genießen.

Ein Beispiel für komplett widersprüchliche Empfehlungen:

In China sollen Frauen auf keinen Fall kalte Getränke zu sich nehmen. Am besten sollen sie während der Schwangerschaft ausschließlich gekochte Mahlzeiten essen. In Afghanistan geht man davon aus, dass sich das Kind an heißen Speisen verbrennt. Hier bekommen schwangere Frauen hauptsächlich kaltes Essen gereicht.

Mein Fazit

Lass die Leute reden. Die Kinder haben sowieso ihren eigenen Kopf. Es ist kurzweilig und erfrischend, dieses Buch zu lesen, weil man doch hin uns wieder schmunzeln muss. Die Erklärungen für manche Rituale sind ganz märchenhaft und wunderschön. Anderes ist durch gesellschaftliche Normen zu erklären, was ich persönlich als studierte Soziologin natürlich wieder reichlich spannend finde.

Vielen Dank an den CONBOOK Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Das Buch „Die Nabel der Welt“ ist im Frühjahr 2015 erschienen und kostet 9,95 €. ISBN: 978-3-943176-93-3

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

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