Muttergefühle: Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt

Muttergefühle

Muttergefühle Gesamtausgabe – das Buch von Rike Dust

Als ich selbst „frische“ Mutter war, waren die täglichen Gefühlsschwankungen das Anstrengendste von all dem Neuen in meinem Leben. Von einem weitgehend ereignislosen Leben mit Arbeit im Homeoffice und einer stabilen Partnerschaft fand ich mich plötzlich im totalen Gefühlschaos wieder.

Da waren die großen Sorgen, wenn das Baby aus unerfindlichen Gründen wie am Spieß schrie. Oder die unendliche Erleichterung bei allen Anwesenden, wenn dann doch der ersehnte Rülpser/Pups kam. Nicht zu vergessen auch der unbändige Stolz auf die mächtigen Kackhaufen – eines der seltsamsten Gefühle von allen und für Nicht-Eltern überhaupt nicht nachvollziehbar.

Dazu kamen noch die Gedanken, die ich mir unabhängig von der akuten Lebenslage des Kindes machte: Sorgen über die Zukunft, Erinnerungen an die Geburt, Niedergeschlagenheit und Schmerzen, Freude über die vielen Geschenke und Glückwünsche, Müdigkeit, der Austausch mit dem Partner und der Schlafmangel, das Genervtsein vom ewigen Stillen.

Ich bin mir nicht sicher, ob man Frauen mit Kinderwunsch oder Schwangeren das Buch ‚Muttergefühle Gesamtausgabe‘ von Rike Dust in die Hand drücken sollte. Es dient weder der Abschreckung noch der Animation – was das Kindermachen anbelangt. Es ist einfach nur eine perfekte Beschreibung von all dem, was einem als Mutter im Kopf herumschwirrt, wenn man plötzlich so ein  Knäuel bei sich Zuhause hat.

Vielmehr dient ‚Muttergefühle‘ dazu, Müttern im Rückblick ihr schlechtes Gewissen zu nehmen. Denn plötzlich ist klar: Man ist nicht die Einzige, die heult, flucht, ihren Mann hasst und am liebsten weglaufen möchte. Genausowenig, wie man nicht die Einzige ist, die ihrem Kind vor lauter Liebe ein Ohrläppchen abbeißen will, deren Herz einen Schlag aussetzt, wenn sie das erste mal das Wort „Mama“ hört und die vor Freude anfängt zu weinen, wenn das Kind sie umarmt.

Die größte Erkenntnis aus diesem Buch war für mich: Ich bin gar kein Freak! Anderen geht es genauso! Denn so offen, wie in diesem Buch, habe ich selbst mit meinen dicksten Mami-Freundinnen nicht gesprochen.

Das Glück, wenn Mütter gleich ticken

Apropos Mami-Freundinnen: Rike Dust gibt am Ende jedes Kapitels ein paar Tipps zum Umgang mit den beschriebenen Situationen. Zum Thema Mami-Freundinnen schreibt sie Folgendes (sinngemäß wiedergegeben):

  1. Triff Dich mit vielen anderen Müttern und picke Dir in Ruhe die „passenden“ heraus. (Babykurse können da sehr hilfreich sein)
  2. Wenn Du eine andere Mama sympathisch findest, hoffe nicht auf ein zufälliges Wiedertreffen, sondern mache direkt was aus und sichere Dir die Kontaktdaten. (Das kann ich nur bekräftigen!)
  3. Achte auf die Dinge, die Dir an anderen Müttern gefallen und suche Dir anhand dessen die Freundinnen aus. (Es sind die kleinen Dinge, die zählen!)
  4. Teste, ob eine potentielle Mami-Freundin den gleichen Humor hat, wie Du selbst. (Existenziell wichtig!!! Denn so kann man dann auch über schwere Themen gut reden.)
  5. Wenn man zusammen so viel redet, dass man die Zeit vergisst, hat man die perfekte Mami-Freundin gefunden.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass alle fünf Anmerkungen völlig korrekt sind. Vor allem Nummer zwei möchte ich allen jungen Müttern dringend ans Herz legen! Man kann nie genug coole Frauen kennenlernen! Eltern, bildet Banden!

Das Erschrecken über die eigene Aggression

Ebenfalls sehr nahe gegangen ist mir die Geschichte vom „Mahnmal“. Das ist ein Riss in der Wand vom Kinderzimmer. Dust hatte dagegen getreten, als das Kind sie völlig zur Weißglut getrieben hatte. Die Ursache dafür, dass man sich selbst gegenüber seinem Kind so schwer beherrschen kann, wird von Dust so beschrieben:

Diese Wut, die ich in diesen Momenten empfinde, ist anders als die Wut, die ich bisher kannte. Sie ist so viel wütender. Vielleicht liegt es daran, dass ich das erste mal nicht mit logischem Argumentieren weiterkomme. Nur weil ich sage „Aber mein lieber Sohn, wenn du deine Jacke jetzt nicht anziehst, erkältest du dich und wirst wieder krank. Das willst Du doch nicht, oder?“ hört er ja nicht mit dem Toben auf.

Das ist einfach genau das, was ich selbst auch in solchen Momenten fühle. Und deswegen bin ich kein herzloses Biest, sondern einfach ein ganz normaler Mensch, der sein Leben mit den Erfahrungen bestreitet, die er bisher gemacht hat.

Muttergefühle Gesamtausgabe

Ich schenke mein Exemplar von ‚Muttergefühle Gesamtausgabe‘ einer lieben Freundin zum 1. Geburtstag ihres Kindes. Dieses ist zwar noch nicht mal geboren. Aber ich glaube, von all diesen wunderbaren Frauen in meiner Umgebung, ist das Buch bei ihr am allerbesten aufgehoben.

Das Buch "Muttergefühle Gesamtausgabe" von Rike Dust ist beim Verlag C. Bertelsmann erschienen, hat 224 Seiten und kostet 14,99 €. Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Leseprobe

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

Kommentare

  1. […] Rika hat übrigens ein wunderbares Buch geschrieben, in dem auch das Thema Scheitern eine große rolle spielt. Lest hier unsere Rezension zu Muttergefühle. […]

  2. […] HausHofKind […]

  3. […] … Vielmehr dient ‚Muttergefühle‘ dazu, Müttern im Rückblick ihr schlechtes Gewissen zu nehmen. Denn plötzlich ist klar: Man ist nicht die Einzige, die heult, flucht, ihren Mann hasst und am liebsten weglaufen möchte. Genausowenig, wie man nicht die Einzige ist, die ihrem Kind vor lauter Liebe ein Ohrläppchen abbeißen will, deren Herz einen Schlag aussetzt, wenn sie das erste mal das Wort „Mama“ hört und die vor Freude anfängt zu weinen, wenn das Kind sie umarmt … Lisa Haushofkind […]

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