Die Montessori Pädagogik – „Hilf mir es selbst zu tun!“

Gastartikel von Heidi Albrecht

Die wenigsten verbinden positive Erinnerungen mit der Schulzeit. War diese doch oft geprägt von Stress, sehr vielem auswendig lernen und schnell wieder vergessen. Ständige Kontrollen und Überprüfungen setzten einen stetig unter Druck.

Wie Roboter werden die Kinder gedrängt, sich in ein bestehendes System zu integrieren und stur nach den Vorgaben der Lehrpläne zu lernen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Dabei bleibt die Kreativität als auch die Individualität eines jeden Kindes vollkommen auf der Strecke. Während nach wie vor der Erfolg an Hand von Zensuren gemessen wird, zweifeln Denker und Kritiker bereits lange die altbackenen Lehrmethoden an.

Es ist fast ein wenig unglaublich, doch bereits vor über 100 Jahren gab es eine Italienerin Namens Maria Montessori, die alternative und unglaublich effektive Lernmethoden entwickelte, so dass sogar geistig behinderte Kinder Unglaubliches vollbrachten. Sie zeigte zu jener Zeit, dass Lernen auch ganz anders gehen kann.

Kinder die von der Gesellschaft und meist auch vom eigenen Elternhaus abgeschrieben waren, lernten mit Hilfe der Montessori Materialien auf ihren eigenen Wegen, die Welt zu begreifen und ihre Stärken zu entdecken.

Wer war diese Maria Montessori?

Am 31. August 1870 erblickte die Tochter von Alessandro Montessori und Renide Stoppani in Chiravalle bei Ancona das Licht der Welt. Maria wuchs behütet im Kreise einer sehr wohlhabenden Familie auf.
Da Maria Montessori das Medizinstudium zunächst verweigert wurde, studierte sie Ingenieurwesen und Mathematik. Nach erfolgreichem Abschluss erlangte sie dann doch die Zulassung zum Medizinstudium und war 1896 die erste Frau, die in Italien einen Doktortitel der Medizin erhielt.

Als Assistenzärztin in der Abteilung für Kinderpsychiatrie nahm sie schließlich ihre Arbeit in Rom mit geistig behinderten Kindern auf. Sie begann eigene Lehr- und Lernmethoden zu entwickeln, während sie die Kinder schlicht weg aufmerksam beobachtete und ihnen kleine Anregungen gab.

Im Jahre 1907 vertraute man Maria Montessori ein Kinderhaus in einem Vorort von Rom an. Dort wandte sie ihre einst entwickelten Lernmethoden an und die ungeahnten Fortschritte der meist geistig behinderten Kinder machten weltweit Schlagzeilen. Die Methoden waren ihrer Zeit weit voraus und dennoch fanden sie weltweit Zustimmung.
Ihre unkonventionellen Methoden standen in einem starken Kontrast zu den traditionellen Lernmethoden und dennoch sprachen die Erfolge für sich.
Im Laufe ihres Lebens veröffentlichte Maria Montessori Bücher mit den Lernmethoden. Bis heute gelten diese als Eckpfeiler der Pädagogik und werden in eigenen Montessorischulen und Einrichtungen nach wie vor angewandt und das weltweit.

Mit Neugier und Freude lernen

Montessori Geometrie

Montessori Geometrie

Brauchen Kinder wirklich den Druck von außen, um erfolgreich zu lernen?
Ist es zwingend notwendig, ständig zu bewerten und zu kontrollieren, um die Leistung zu beurteilen?
Wer diese Fragen einmal kritisch betrachtet, erkennt die Tatsache, dass Druck allein nur eines herbeiführt:
Stress

Verlust von Selbstwertgefühlen und Kreativität

das Interesse an Neuem verschwindet fast vollkommen

Dabei kann lernen so viel Freude bereiten. Vorausgesetzt es wird aus eigenem Antrieb getan.
Maria Montessori war überzeugt, dass ein jedes Kind einen individuellen Lernrhythmus hat und seine eigenen Stärken und Schwächen kennenlernen muss, um effektiv zu lernen. Anstatt von oben Druck auszuüben, sollten Pädagogen zur Seite stehen und Hilfe zur Selbsthilfe anbieten können.

Daher auch ihr Leitsatz: „Hilf mir es selbst zu tun!“- Maria Montessori

Kinder die aus freien Stücken etwas tun, vertiefen sich unglaublich in diese Sache und lassen sich durch nichts ablenken. Sie folgen in diesen Augenblicken dem natürlichen Wunsch nach Wissen, der nachweislich bei allen Menschen vorhanden ist. Lernen gehört unweigerlich dazu. Es geht schlicht weg um die Umsetzung, wie Kinder gefördert werden, ohne sie zu überfordern.

Wie lernen Kinder nach der Maria Montessori Methode?
Es gibt weltweit Einrichtungen, Grundschulen und auch Kindertagesstätten, die auf den Grundpfeilern der von Maria Montessori entwickelten Lernmethoden aufbauen und nachweislich sehr erfolgreich sind.

Im Gegensatz zu konventionellen Schulen werden den Kindern der Montessori Schulen Räume angeboten, welche voller Arbeitsmaterialien und Lernutensilien zur freien Verfügung stehen. Das Kind entscheidet, womit es sich beschäftigt. Es steht ihm frei zu wählen, ob es sich mit Mathematik Deutsch oder lieber kreativ beschäftigen möchte.

Aufgrund der Tatsache, dass bei dieser Methode das Kind weites gehend selber herausfindet und aus reiner Neugier und Forschergeist sich Wissen aneignet, bleibt das Erlernte im Gedächtnis sitzen. Frei nach dem Motto: Learning by doing! Wer über eine eigene Interaktion etwas lernt, behält es viel besser im Gedächtnis, als jemand der es regelrecht vorgebetet bekommt.

Speziell geschulte Pädagogen stehen den Kindern selbstverständlich zur Seite. Sie werden sich nicht sich selber überlassen und die Tatsache, dass die Kinder entscheiden, bedeutet auch nicht, dass sie tun und lassen können, was sie wollen. Es geht prinzipiell darum, dass Kinder individuell entscheiden, was sie wann lernen möchten. Es werden schrittweise gewisse Themengebiete erarbeitet, wobei das Kind aktiv entscheidet, was es erledigen möchte. Welche Reihenfolge es wählt, ob es in der Gruppe arbeiten möchte oder für sich allein, liegt im Ermessen des Kindes.

Dabei stehen den Kindern anders als in herkömmlichen Schulen verschiedene Materialien zur Auswahl.
Generell erlangen diese Kinder den selben Wissensstand wie ihr Altersgenossen an herkömmlichen Schulen. Denn ein Übergang an eine traditionelle Schule muss stets gewährleistet bleiben, da nicht aller Orts Montessori Schulen verfügbar sind.

Welche Materialien kommen zum Einsatz?

Um spielerisch zu lernen und um kreative Wege nutzen zu können, benötigen Kinder spezielle Materialien.

Montessori Rechenperlen

Montessori Rechenperlen

Bereits vor 100 Jahren wurden diese von Maria Montessori entwickelt und noch heute kommen diese zum Einsatz. In den vorbereiteten Räumen werden die Materialien meist nach einem bestimmten Thema in frei zugänglichen Regalen angeboten, so dass sich ein Kind gezielt zu einer bestimmten Thematik mit ganz unterschiedlichen Lerneinheiten beschäftigen kann.

Unter anderen gehören dazu:

  1. das Rechnen mit Perlen
  2. Legematerial
  3. Satzstern mit Holzpfeilen
  4. Rätselkarteien
  5. Lernteppiche

Dies stellt selbstverständlich nur eine winzige Auswahl dessen dar, was letztendlich zum Einsatz kommt. Unter dem Strich werden den Kindern alle wichtigen Dinge gelehrt. Von der Muttersprache über Mathematik über Naturwissenschaften bis hin zu Fremdsprachen und Kultur. Nur eben die Methodik ist anders und nachweislich sehr erfolgreich.

Quelle: Montessori Material

Die Kinder arbeiten ruhig, konzentriert und sind ausgeglichen. Sie werden als Individuen und nicht als einer von vielen wahrgenommen und das stärkt selbstverständlich die Persönlichkeit.

Die Vorteile der Montessori Methoden

Im ersten Moment klingt das alles eher nach Walddorfschule und antiautoritärer Erziehung. Doch weit gefehlt. Während in der klassischen Lehrmethode die Masse auf ein Level getrimmt wird ohne Rücksicht auf persönliche Stärken und Schwächen, werden Kinder an den Montessori Schulen als Individuen geschätzt und auch so behandelt.

Den Pädagogen wird viel abverlangt und nicht jeder ist in der Lage dieses Konzept umzusetzen. Ein sehr hohes Maß an Geduld, Respekt und Akzeptanz bilden die Grundlage für diese verantwortungsvolle Aufgabe.

Lehrer nehmen zwar eine passive Rolle ein, welche jedoch nicht als tatenlos angesehen werden darf. Die Pädagogen stehen den Kindern bei wichtigen Entscheidungen zur Seite:

  • bei der Wahl der Lehrmaterialien
  • bei Fragen zu bestimmten Inhalten
  • Sie beobachten aufmerksam und müssen auf die Lernfenster einzelner Schüler eingehen können.

Eine Aufgabe die Respekt erfordert, freies Denken und die Loslösung von herkömmlichen Vorgaben. Doch gerade aus der Wirtschaft, der Forschung und sogar der Industrie werden die Stimmen immer lauter, dass man keine geklonten Arbeiter sucht, sondern Freigeister, kreative Menschen, die in der Welt etwas bewegen und verändern möchten. Das jedoch gelingt nach der herkömmlichen Lernmethode nicht.
Wer selber Kinder hat, wird spätestens mit dem Eintritt in der Schule verspüren, dass die herkömmlichen Methoden viel der Kreativität und der Freude am Lernen zerstört.
Es ist schon erstaunlich, dass eine junge, italienische Medizinerin bereits vor 100 Jahren erkannte, was aktueller kaum sein könnte.

Schule ist jenes Exil, in dem der Erwachsene das Kind solange hält, bis es imstande ist, in der Erwachsenenwelt zu leben, ohne zu stören“ – Maria Montessori

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