Eine Familie, die zusammen isst…

… kleckert zusammen.

Phase 1 – Krümel

Die Nachsorgehebamme hatte es prophezeit: Säuglinge haben grundsätzlich dann Hunger, wenn die Mutter isst. Und genau so war es auch bei meinem Sohn. Kaum saß ich am Tisch, schrie er, als hätte ich ihm 3 Tage lang die Brust verwehrt. Ein gemütliches Abendessen war undenkbar. Und so saß ich regelmäßig mit Baby auf dem Schoß und entblößtem Busen am Esstisch und stillte. Egal, wie sehr ich mich bemühte: Unser Kind war regelmäßig vollgekrümelt. Ich glaube, aus einigen Kleidungsstücken hat sich der Balsamico-Essig nie wieder ganz heraus waschen lassen. Und selbst das Stillkissen hat noch immer einen komischen dunkelblauen Fleck. Zwei Jahre ist das nun her.

Phase 2 – Brei überall

Hochstuhl

Familienessen mit Kind im Hochstuhl – frohes Putzen!

Als unser Sohn etwa 6 Monate alt war, bekamen wir zu Weihnachten von der Familie einen Hochstuhl geschenkt – mit Babyeinsatz für die Kleinsten. Plötzlich war das gemeinsame Essen viel entspannter – zumindest einige Minuten lang, denn dann hatte er schnell begriffen, was Mama und Papa da gerade tun und wollte auch essen. Plötzlich hatten wir den Stress gleichzeitig satt zu werden und dem Kind schnell genug einen Löffel Brei nach dem anderen einzuflößen.

Etwa zu dieser Zeit ging auch das rituelle Hochstuhl-Putzen loß. Ich weiß bis heute nicht, wie der Brei an die Unterseite der Sitzfläche gelangt ist. Ein einziges Rätsel. Aber so viel Wäsche, wie zu dieser Zeit hatte ich noch nie in meinem Leben bewältigen müssen. Nach jeder Mahlzeit musste ich den Hochstuhl komplett abwischen – und verfluchte die kleinen Rillen für die Höhenverstellung. Wäre Sommer gewesen, hätte ich ihn einfach im Garten mit dem Schlauch abgespritzt. Aber nein, mein Kind musste seine ersten Brei-Erfahrungen ja bei Minusgraden machen.

Phase 3 – Babybeton

Dann folgte die Phase mit den Brezen. Wir nennen sie bis heute nur Baby-Beton. Brezen sind grundsätzlich eine geniale Sache. Wir fragten uns häufig, wie man Kinder in Kulturkreisen großzieht, in denen es keine Brezen gibt. Keine Ahnung. Ehrlich. Ich weiß nicht, wie viele Tonnen Brezen wir vom Bäcker nach Hause geschleppt haben. Alles war gut. Bis wir den Baby-Beton entdeckten. Man kann sich nicht vorstellen, was für eine zähe Masse entsteht, wenn Babys vollgespeichelte Brezen ausspucken. Beziehungsweise langsam aus dem Mund laufen lassen. Wenn man diese Masse nicht sofort entfernt, dann kann man sie nie wieder wegputzen. Vor allem an unserem schönen Holz-Fußboden und an dem schönen Holz-Hochstuhl klebte der Brei ganz besonders hartnäckig. Ökologische Wohnungseinrichtung hat auch ihre Tücken… Auch nach mehrmaligen Hochstuhl-Putzaktionen mit Küchenschwamm, Schaum und Gartenschlauch befindet sich noch immer Brezen-Brei an dem Kindersitz. Es ist unglaublich.

Phase 4 – Entspannung

Heute kann unser Kind nahezu alleine essen. Er trägt einen großen Latz, der fast alles auffängt, was herumgeschoben oder *unbeabsichtigt* fallen gelassen wird. Ein kurzes Abwischen des Hochstuhls einmal pro Woche reicht, um der völligen Verwahrlosung unserer Küche vorzubeugen. Ich bin gespannt, welche Phase als nächste kommt. Wutanfälle und am Fenster klebende Marmeladenbrote?

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

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