Warum französische Kinder keine Nervensägen sind

Warum französische Kinder keine Nervensägen sind

Warum französische Kinder keine Nervensägen sind

Ich habe herausgefunden, dass ich vermutlich eine Französin bin. Oder zumindest eine französische Mutter. Zu etwa 75% würde ich sagen… Auf alle Fälle bin ich eher Französin als Amerikanerin, geht man nach dem Buch von Pamela Druckermann. Sie vergleicht nämlich Elternschaft in Paris mit Elternschaft in den USA.

Die gebürtige New Yorkerin lernt in Paris ihren Mann, einen Engländer, kennen und bekommt mit ihm drei Kinder. Der Eltern-Alltag in der französischen Hauptstadt ist so ganz anders als sie es von ihren Freunden in den Staaten gewohnt ist. Humorvoll und selbstironisch trägt Druckermann die Unterschiede in der Erziehung zusammen.

Thematisch sortiert berichtet sie in 16 Kapiteln von den wesentlichen Erziehungsthemen, mit denen sich fast alle Eltern herumschlagen: Schlafen, Essen, Kinderbetreuung, Förderung, usw. Dabei erzählt sie von ihrer amerikanischen Herangehensweise und staunt regelmäßig, wie anders solche Dinge in Frankreich gehandhabt werden.

Der größte Unterschied ist für Druckermann das Vertrauen in die Kinder. Französische Eltern trauen und muten ihren Kindern viel mehr zu. Sie gehen davon aus, dass die Kinder dadurch selbstsicher und selbständig werden, was irgendwie auch stimmt. Aus Amerika kennt die Autorin vor allem Angst. Angst vor Pädophilen, Angst vor unzureichender Förderung, Angst vor einem defekten Stromkabel das ausversehen in das Swimmingpool fallen könnte, während gerade Kinder darin spielen. You get the Point?

Vieles in diesem Buch ist Verwunderung. Aber Druckermann bringt auch ihre echte Ehrfurcht zum Ausdruck. Wie schaffen es die Franzosen, dass ihre Kinder durchschlafen, dass sie im Restaurant ruhig warten, bis das Essen kommt und warum hören die kleinen Franzosen darauf, wenn ihre Eltern Dinge sagen wie „Nein“ und „Stop“???

Wenn man ehrlich ist, sagt dieses Buch mehr über amerikanische Erziehung als über französische. Aber es werden eben doch einige interessante Erziehungstipps erläutert. So lässt sich Pamela Druckermann ihre Beobachtungen immer wieder von französischen Eltern, Kinderärzten und anderen Experten erklären und legt diese dann ausführlich dar.

Ich selbst kam mir beim lesen wahnsinnig schlau vor, weil ich eigentlich viele der französischen Erziehungsmethoden selbst auch anwende, einfach weil es mir natürlich erscheint. Beim Schlafen der Kinder sind mein Mann und ich allerdings Versager. Keine Ahnung ob Druckermanns Tipps uns in den ersten Lebenswochen unserer Kinder geholfen hätten. Dem Prinzip der bedürfnisorientierten Erziehung folgen sie jedenfalls nicht.

Eine meiner Freundinnen hat das Buch weggelegt, weil ihr das Kapitel mit dem Schlafen so herzlos erschien. Eine Mutter aus dem Kindergarten, die mit einem Franzosen verheiratet ist, hasst dieses Buch ebenfalls. Ich persönlich fand es sehr spannend und sehr lustig. Das kann aber auch daran liegen, dass ich als studierte Soziologin solche teilnehmenden Beobachtungen liebe (ich habe ja erst kürzlich das Buch über die superreichen Mütter der New Yorker Upperclass gelesen). Ein Erziehungsratgeber ist dieses Buch meiner Meinung nach nicht. Eher ein amüsanter Zeitvertreib mit Anregungen für den eigenen Familienalltag.

Das Buch Warum französische Kinder keine Nervensägen sind von Pamela Druckermann ist beim Mosaik Verlag erschienen und kostet 17,99€.

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

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