Rezension: Burnoutkids

Buchtitel: Burnoutkids

Buchrzension: Burnoutkids

Auf das Buch Burnoutkids von Michael Schulte-Markwort war ich sehr gespannt! Ich hatte (abgesehen von einem Stillbuch) noch nie einen Elternratgeber in der Hand. Das Buch wird eigentlich nicht als Ratgeber vermarktet (eher als Gesellschaftskritisches populärwissenschaftliches Werk), dennoch hatte ich Recht: Hier finden Eltern wertvolle Tipps!

Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort berichtet zunächst aus seiner beruflichen Praxis und beschreibt anhand von Patientengeschichten, dass ihm immer mehr Kinder mit Burnout vorgestellt werden. Er beschreibt diese Erkrankung als Überlastungsdepression. Oft geht diese mit einigen Nebenerkrankungen einher, wie zum Beispiel psychosomatischen Rückenschmerzen.

Psychische Probleme bei Kindern

In diesem ersten Abschnitt des Buches bei der Betrachtung der Einzelfälle konnte ich schon meinen ersten wichtigen Eltern-Tipp herausziehen: Hilfe holen ist gut und richtig. Und noch viel wichtiger: Es gibt Hilfe! Schulte Markwort schreibt nämlich ganz explizit auf, dass es ihm lieber ist, wenn Eltern einmal zu früh mit ihrem Kind in die Sprechstunde kommen, als wenn er mit jahrelang festgefahrenen Situationen und Problemen konfrontiert wird: „Mir ist es viel lieber, ich kann einmal „umsonst“ nachschauen, als wie früher mit den Behandlungen einer Symptomatik, die schon chronifiziert ist, hinterherlaufen zu müssen.

Ich persönlich, als Mutter, finde diese Aussage sehr gut und sehr beruhigend. Indem wir uns um unsere Kinder sorgen, erzeugen wir keine Belastung für die Ärzte. Im Gegenteil – diese wünschen sich, dass wir Dinge abklären und freuen sich, wenn sie uns beruhigt wieder nach Hause schicken können.

Der zweite Punkt, der mir gleich im ersten Teil des Buches aufgefallen ist, ist die Vielzahl an Hilfsangeboten. So werden hier zum Beispiel Lerncoaches erwähnt, die den Kindern erklären, wie sie den Schulstoff auf eine Art und Weise bewältigen, die den ganz persönlichen Neigungen und Fähigkeiten entspricht. Außerdem fand ich auch das sog. Home-Treatment-Team sehr interessant. Dieses kommt zu einem Kind nach Hause, um dessen Wohn- und Familiensitation zu beurteilen und zu verbessern. Ist das nicht genial!

Wir selbst haben uns an eine Expertin gewendet, die uns dabei geholfen hat, die Einschlafprobleme unseres Kindes zu bewältigen. Mit dem Ergebnis sind wir außerordentlich zufrieden (demnächst folgt hier auch ein Bericht dazu). Ich weiß also, aus ganz persönlicher Erfahrung, dass es großartige Unterstützung für Familien gibt. Man muss sie nur finden und in Anspruch nehmen. Übrigens ist hier Geld meist gar kein Thema, weil entweder die Krankenkassen die Behandlung bezahlen, oder die Stadt oder die Kirchen oder freie soziale Träger.

Gesellschaftliche Ursachen für psychische Probleme bei Kindern

Der zweite Teil des Buches Burnoutkids befasst sich mit den Ursachen von Burnout bei Kindern. Dem Autor ist es ganz wichtig zu betonen, dass man in der Regel nicht eine einzige Ursache für so ein Krankheitsbild verantwortlich machen kann. Vielmehr handelt es sich um eine Art Puzzle oder eine Kombination aus verschiedenen Umständen und Begebenheiten.

So betrachtet Schulte-Markwort im Zuge der Diagnose auch die Familiensituation seiner Patienten. Dies führt ihn zu der Betrachtung der Generationen und ihrer Erlebnisse in unserem Land. Hier spielt ein Rückblick auf den zweiten Weltkrieg genauso eine wichtige Rolle, wie auch die Familiensituation in der Zeit des Wirtschaftswunders.

Auch die ganz konkrete Bedrohung durch sozialen Abstieg kann in Familien zu schwerwiegenden psychischen Problemen führen. Überhaupt ist der ökonomische Druck, der auf uns allen lastet, immer wieder Thema in dem Buch Burnoutkids. Hier sieht Schulte-Markwort ein großes Problem in unserer Gesellschaft – und spricht mir persönlich damit auch aus der Seele.

Mein Fazit zu Burnoutkids

Ich bin wirklich froh, dass ich dieses Buch in die Finger bekommen habe! Wer meine Rezensionen kennt, der weiß, dass ich immer überlege, wem ich dieses Buch in die Hand drücke, wenn ich selbst es fertig gelesen habe. Diesmal wird mein Rezensionsexemplar in der Familie bleiben. Ich werde es zunächst mal meinem Mann geben und vielleicht meiner engen Freundin, die ebenfalls junge Mutter ist.

Auf alle Fälle wird dieses Buch in meinem Bücherregal einen festen Platz finden. Ich möchte hier in einigen Jahren wieder einen Blick hinein werfen, wenn unser Kind die Schule besucht. Denn Burnoutkids enthält immer wieder wichtige Hinweise darauf, wie man als Eltern Probleme der Kinder frühzeitig erkennen könnte. Ich möchte es mir zu Herzen nehmen, darauf bei unserem Sohn zu achten – ohne natürlich gleich in Panik zu verfallen. Man will ja keine Helikoptermama sein…

Vielen Dank an den Pattloch Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Hier gibt es Details zum Buch. Ebenfalls lesenswert ist ein Artikel über den Arbeitsalltag von Michael Schulte-Markwort, der in der Frankfurter Allgemeinen erschienen ist: Was für Kinder möchten wir haben?

Leseprobe

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Lisa Figas

Lisa Figas ist Mutter von zwei kleinen Kindern und arbeitet in Teilzeit als Projektleiterin. Sie berichtet über die Erlebnisse aus dem Familienalltag und macht sich Gedanken zu der Gesellschaft, in die wir unseren Nachwuchs eingliedern. Außerdem befasst sich Lisa mit Büchern rund um das Thema Elternschaft und schreibt dazu regelmäßig Rezensionen hier auf HausHofKind.

Kommentare

  1. […] seit einigen Wochen auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Durch die Lektüre der Burnoutkids (hier geht es zu meinem Bericht) ist mir dieses Buch wieder ins Gedächtnis gekommen. Denn […]

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